Die ÖR und das Tour de France - Desaster

Ich persönlich bin ein großer Radsportfan und sehe mir die Tour de France trotz aller Skandale gerne an. In den letzten Jahren gingen die ÖR mir allerdings zunehmend auf den Keks.
Nach mehreren Dopingfällen 2007 (u.a. Patrick Sinkewitz) sagten ARD und ZDF die Übertragung 2008 aus Protest ab.
Als Protest gegen Doping im Radsport, der überwiegend von Franzosen, Italienern und Spaniern dominiert wird, natürlich wenig effektiv.
Allerdings ein Gewinn für EuroSport: Der Sender kaufte mal eben günstig die Übertragungsrechte ein und holte für seine Verhältnisse gute Ergebnisse mit gut 900.000 Zuschauern. Die Radsportfans juckte es kaum, dass sie ein wenig mehr Werbung in Kauf nehmen mussten und schalteten einfach von ZDF und ARD auf EuroSport um.
Allerdings kann so ein Sportereignis nicht einfach von den großen “Informationsgurus” die wir ja glücklicherweise in unserem Land haben ignoriert werden.
Also planen die beiden jetzt, 2 Jahre nach dem Ausstieg, die Rückkehr in die Übertragung. Obwohl es weiterhin Dopingfälle gibt und immer wieder neue Anschuldigungen. Zufälligerweise heißt es jetzt, die ARD hätte einen Vertrag mit der EBU und es ginge um 20 Millionen Euro deren Verschwendung man ja dem Gebührenzahler nicht erklären könne. 2007 hieß es noch, die ARD stehe in keinerlei Vertragspflicht mit der EBU und hätte dies auch in nächster Zeit nicht vor.
Was soll bitte dieses Hickhack?
Zuerst protestieren die ÖR gegen Doping beim Radsport, dann lösen sie den Protest doch wieder auf. Angeblich weil sie einen 20 Mio. Euro - Vertrag geschlossen haben… Gegen den sie sich vor wenigen Jahren ausgesprochen haben.Übrigens ist die Tour bei ARD und ZDF keineswegs werbefrei… Man kann bereits Plätze buchen ( http://www.ardzdf-fernsehwerbung.de/fil … 6-2010.pdf )
Fest steht: Wer klug ist guckt die Tour auf EuroSport, denn da kann man die gesamte Etappe sehen. Sollte mal wieder Werbung bei Eurosport sein, so schaltet man eben auf ARD oder ZDF um und muss sich dort ein paar Minuten antun. Und vielleicht bleiben wir ja auch ohne Protest erstmal vor Dopingfällen verschont…

Wow, dass ich sowas noch erlebe. Es gibt doch noch Leute die Radsport schauen :smiley:

Ich schaue eigentlich jedes Jahr alle drei großen Rundfahrten, so oft es geht.
Das die ÖF damals ausgestiegen sind, hat mich net gejuckt, auf ES gefällt/gefiel mir Moderation und Übertragung sowieso wesentlich besser.
Dass sie jetzt wieder einsteigen kann ich aber nicht verstehen, zumal nicht wirkliche Siegchancen für Deutschland bestehen. Das wäre für mich nämlich der einzige Grund für den Wiedereinstieg gewesen.

Den größten Witz fand ich ja, dass ARD und ZDF auch nach dem Ausstieg weiter fleißig über deutsche Siege bei wichtigen Rennen in den Nachrichten berichtet haben. Da war das Thema Doping anscheinend schnell vergessen.

Überhaupt vergessen die ÖR ja gerne mal ihre Versprechen und Ankündigungen… Und jetzt einen 20Mio. Euro- Vertrag zu schließen war vielleicht für die Quote kein schlechter Schachzug aber Dopingfälle gab es mehr als genug. Bloß sind es dieses Jahr eben Einzelfälle über die niemand berichten will. Überhaupt ist die Tour dieses Jahr mit dem bereits gesperrt gewesenen Winokourow und diversen Angeschuldigten (Armstrong, die Schlecks, Klöden, etc…) keineswegs frei vom Thema Doping.
Übrigens ist mir bei Team Milram zumindest das positiv aufgefallen: Es wird anscheinend weniger (eventuell sogar gar nicht mehr???) bei dem einzigen deutschen Team gedopt.
Beim Giro zeigten alle Fahrer auch mal schwache Tage, nach guten Bergetappen waren sie am nächsten Tag oft am einbrechen.
Gefiel mir ganz gut, sie kämpfen zu sehen, im Gegensatz zu einem Contador oder Basso der die Berge mal eben rauf- und runterfährt wie ein Fahrstuhl ein Hochhaus… Nach dem Zeitfahren beim Giro habe ich mich mit Markus Fothen unterhalten und der war vollkommen fertig und hing gerade noch so im Sattel. Das kommt mir echter und viel ehrfürchtiger vor als die vollgepumpten Südländer :smt023

Nach dem Zeitfahren beim Giro habe ich mich mit Markus Fothen unterhalten und der war vollkommen fertig und hing gerade noch so im Sattel.

wenn man nicht grad jemand von der Presse ist, kommt man doch gar nicht da hin^^

Doch :smiley:
Ich war in Verona im Italienurlaub und habe mir das Zeitfahren angesehen. Auf dem Weg zur nächsten Eisdiele habe ich dann Markus Fothen und Robert Förster vom Hinterausgang der Ziellinie zu ihrem Teambus fahren sehen und sie um ein Foto gebeten.
Wie gesagt, ganz frisch waren die nicht mehr :smiley:

Die ÖR verlieren diesbezüglich immer mehr an Glaubwürdigkeit. Wie hier aber schon mehrfach bemerkt, ist die Übertragung auf Eurosport um Längen besser und unterhaltsamer. Sollen die ÖR doch in der Tagensschau täglich einen 30-Sekunden-Beitrag bringen und die Live-Übertragung den Profis überlassen, bevor man solche Nasen wir Herrn Cerne oder Wolf-Dieter Poschmann über Radsport reden hört.

P.S.: Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als Tony Rominger bei Eurosport co-kommentiert hat? Das war Information und Unterhaltung vom Feinsten!

Ich habe sowohl gestern wie auch heute kurz Tour gesehen. Beeindruckend wie das für mich zentrale Thema Doping ausgespart wird.
Heute gab es eine Laudatio auf Eddy Merckx. Über Dopingvorwürfe für “die jungen Zuschauer” kein Wort. Gestern wurden die Tourfavoriten aufgezählt von denen mindestens 50% mit massiven Dopingvorwürfen konfrontiert wurden: kein Wort zu Doping. Weder bei Contador noch bei Armstrong noch bei sonstewem. In insgesamt 2 Stunden Radsport fällt kein einziges Mal das Wort Doping.
Auch der Trailer für die Tour gestern war mehr als nur heroisierend. 1600 Kilometer, härteste Rundfahrt der Welt, bla bla bla…
Fehlt nur noch: “Der Radsport ist der sauberste Sport der Welt. Hier erleben Sie noch menschenmögliches, geleistet von wahren Helden!”

Tut mir Leid, aber die Kommentatoren sind schlimmer als Baseball-Kommentatoren in den USA. Sogar die nehmen ab und an mal bei Barry Bonds das böse “D”-Wort in den Mund.
Für unreflektierte Sportberichterstattung Gebühren (und ich zahl noch…)? Ähm. Nein Danke.

Vielleicht könnte man daraus mal ein Top10-Ranking machen. Die schlechtesten kommentierten Sportarten.

PS: Der ZDF “Doping-Watch” hat über 4 von 7 Themen Radsport stehen…mh…ach quatsch: Radsport ist sauber und voller Helden. Auf 1600 Kilometer saubersten Radsport der Welt. Mit dem Zweiten (über)sieht man besser.

Die Tour de France beginnt wieder. ARD und ZDF werden wieder berichten. Und wieder wird man jede Menge Dopingsünder erwischen bzw. verdächtigen, obwohl jedem klar ist, dass man diese Leistungen mittlerweile nicht mehr ohne gut gefüllte Apotheke bringen kann. Und je nach Stimmung in der Bevölkerung werden die entlarvten Sportler in den Augen der öffentlich-rechtlichen Berichterstatter ein skandalöses Zeichen für einen zutiefst verwurmten Sport darstellen, oder ein Signal für die Verbesserung der Anti-Doping-Maßnahmen.

Am Ende wird man ganz ernsthaft schwören, man werde sich schwer überlegen, ob man die Radtour in Gallien nächstes Jahr überhaupt noch übertragen will. Und dann wird man’s wie immer tun, sind ja nur Gebührengelder, die man da vergeudet.

Es ist lächerlich wie einige den Radsport als Sündenpfuhl des Sports darstellen. Als wenn sich alle schlechten Menschen der Welt sich in diesem Sport sammeln würden. Keine andere Sportart tut so viel gegen Manipulation wie der Radsport.
Ich als Radsportfan möchte bei einer Übertragung das Geschehen auf der Straße kommentiert haben und möchte nicht das während des Live-Sports ständig über Doping geredet wird. Stellt euch vor am Mittwoch beim Spiel Deutschland - Spanien würde während der 90 Minuten (oder mehr) nur über Wettmanipulationen, Schwalben und absichtliche Handspiele geredet und überhaupt nicht über das Spielgeschehen berichtet und immer wenn Özil am Ball ist würde der Kommentator immer wieder auf die Schwalbe im Auftaktspiel hinweisen und Özil von daher schon als schlechten Menschen darstellen, da würde man auch schnell abschalten.
Wenn man sich etwas mehr mit Manipulation im Sport beschäftigt wird schnell klar, das Sportarten wie Fußball und insbesondere Tennis sowie viele andere Sportarten ein sehr großes Glaubwürdigkeitsproblem haben darüber in den Medien aber nur am Rande reflektiert wird. Der Radsport wird im Vergleich mit anderen Sportarten hier unfair behandelt. Natürlich gibt es die Dopingproblematik aber wie schon oben beschrieben gibt es keine andere Sportart die so viel gegen dieses Problem tut. Vor- und Nachberichte zu dem Thema sollte und muss man als kritisches Medium sicherlich bringen, aber den eigentlichen Sport sollte man objektiv und vorverurteilungsfrei kommentieren, wenn dann mit Vorverurteilungen bei jedem Sieg oder guter Leistung um sich geworfen wird ist dieses nicht mehr fair.
Zum Thema Heroisierung, man kann es sicherlich auch übertreiben, 3600 km an 21 Tagen bei Wind und Wetter mit Stürzen, Defekten, Verletzungen und gesundheitlichen Problem, das ist auch neben der reinen Ausdauerleistung ein enormer Kampf gegen die Umstände, aber wenn man an die Sprinter bei den olympischen Spielen denkt werden diese noch viel mehr heroisiert (“Der schnellste Mann der Welt”) und gerade der 100m Sprint ist das Ereignis auf das viele bei den olympischen Spielen warten obwohl dort die Dopingproblematik sicherlich noch größer ist als im Radsport. Und das Sportler aus dem Biathlon auch in der Wiener Blutbank Affäre genannt wurden, davon möchte die ARD am liebsten gar nichts wissen weil sie Angst um ihr lukratives Pferd Biathlon hat. Von der Heroisierung unserer Fußball-Nationalmannschaft zur Zeit ganz abgesehen.

Der Threadersteller beklagt ja vor allem das die öffentlich rechtlichen den Radsport zu sehr auf das Thema Doping minimieren und nicht zu wenig Dopingberichterstattung bringen, womit er auf jeden Fall recht hat, außerdem zeigt er das ein privater Sender ausgewogen, fair und qualitativ hochwertig von diesem Sportereignis berichten kann.
Auch wenn es vielen Leuten nicht passt, im Radsport geht es genauso sauber bzw. schmutzig zu wie in jeder anderen Sportart auch. Ich wage zu behaupten das es kaum eine Sportart gibt die frei von ■■■■■■ ist. Angefangen von Möllers berühmter Schwalbe, Hoyzer, Fabio Cannavaro der froh sein kann nachträglich von seinem Arzt ein Attest bekommen zu haben, absichtlich verlorenen Spielen im Tennis bis hin zu Schumis zu niedriger Bodenplatte. Wo Menschen sich messen wird nunmal versucht zu betrügen.

Ansonsten frohes Radsport-Bashing, ihr werdet den Radsport in Deutschland nicht tot bekommen, dazu ist dieser Sport zu gut geeignet für fast Jedermann!

P.S.:
Angermann/Rominger :smt026

Und wozu das schlimme D-Wort noch erwähnen. Jeder der bei Eurosport Tour de France schaut, weiß spätestens seit der Skandaltour 2006 was los ist. In Deutschland ist der Radsport leider auf einem ganzen schlechten Stand.
Hierzulande wurden die Dopingsünder fast wie Mörder behandelt…naja jedenfalls würd ich sogar Radsport schauen, wenn kein einziger Deutscher mehr dabei ist.

Es gibt noch was das besser ist als Leuten beim Rad fahren zu zuschauen, nämlich selber Rad zu fahren. Dann brauch man sich auch nicht über die ÖR aufregen und die Übertragung dieses “Dopingsports!”

Also vorweg: ich würde mich nicht als Radsportfan bezeichnen, schaue aber die Rundfahrten und die Frühjahrsklassiker regelmässig und gerne.

Keine andere Sportart tut so viel gegen Manipulation wie der Radsport.

Willst du das hier ernsthaft als positiv darstellen? Das schlimme ist doch, dass man überhaupt so viel machen muss. Wenn nicht so viele bescheissen würden, bräuchte man doch überhaupt nicht solch strenge Kontrollen, wo man im Trainingslager immer erreichbar sein muss etc. Desweiteren denke ich auch, dass andere Sportarten ähnliche Kontrollen haben, nur erfährt man darüber nichts, weil dieser Teil des Sports nicht so in der Öffentlichkeit steht.

Du sagst, dass andere Sportarten ein Glaubwürdigkeitsproblem haben und der Radsport unfair behandelt wird. Was ich immer sehr problematisch finde, ist, dass beim Radsport alle nach 2 Jahren wieder mitmachen dürfen und meist auch vorne mitfahren. Da geht der Kommentator die Favoriten für die Etappe durch und 80% der Namen waren schonmal gesperrt. Und da soll der Radsport kein Glaubwürdigkeitsproblem haben? Beim Fussball gibt es auch Sperren für Dopingvergehen, aber stell dir mal vor eine Mannschaft wird Meister mit 11 Spielern in der Startaufstellung die 2 Jahre Dopingpause hinter sich haben, das würde doch niemand so akzeptieren. Im Radsport werden die Fahrer nicht genügend gebrandmarkt und es wird ihnen zu leicht gemacht, einfach wieder in der Leistungsspitze einzusteigen.

Du hast Recht, wenn du behauptest, dass es in jeder Sportart sowas gibt, mal mehr und mal weniger. Aber willst du ernsthaft erzählen, dass eine Schwalbe vergleichbar wäre mit einer, durch Doping, gewonnenen Tour-Etappe? Du erwähnst hier ausserdem die Sache mit Hoyzer, die grundsätzlich schonmal anders ist, weil sich hier nicht die Athleten gegenseitig betrügen. Die Sache war wochenlang in den Medien und wurde da durchaus genügend reflektiert. Hoyzer war geständig, hat alles aufgeklärt, ging dafür in den Knast und darf nie wieder in der Branche arbeiten. Und dann sehe ich einen Winokurow, der wieder bei einem Topteam mitfahren darf und sauer wird, wenn man ihn auf seine Sperre anspricht. Das hat nichts damit zu tun, dass der Radsport medial unfair behandelt wird. Wenn ich als Verband solche Regelungen habe, brauch ich mich nicht wundern.

Die Berichterstattung finde ich bisher eigentlich gar nicht so schlimm, liegt vielleicht an den Flachetappen, aber ich habe das Wort Doping noch gar nicht so oft gehört, imo bemühen sich da die ÖR um neutrale Kommentare.