Der "Kontraste" Beitrag über wiki-leaks

Hallo Fernsehkritiker, Ich bin ein begeisterter Zuschauer deiner Sendung und fände es großartig einen Beitrag über das folgende Thema zu sehen. Gestern hat mir dieser extrem ärgerliche Beitrag des ARD-Magazins Kontraste den Abend verdorben. Anstatt sich seriös mit dem vielschichtigen und wichtigen Thema auseinanderzusetzen wird hier unreflektiert Kriegspropaganda verbreitet und mit Halbwahrheiten hantiert. So wird z.B. impliziert Julian Assange verlange einen sofortigen Abzug aller Truppen aus Afghanistan. Besonders ärgert mich, dass in Bezug auf das schwierige und wichtige Thema des Schutzes von afghanischen Kollaboratören nicht einmal erwähnt wird, dass wikileaks offenbar über die NY-Times vor der veröffentlichung der Dokumente versucht hat Kontakt mit dem Weißen Haus aufzunehmen, um zu verhindern, dass Menschen gefährdet werden. Hier wird bewusst ein falsches Bild gezeichnet. Ansonnsten müsste das doch zumindest angesprochen werden. Interessant ist auch, dass auch das Time-magazine mit emotionalisierenden Bildern von abgeschnittenen Nasesn arbeitet. Ist das Zufall oder steckt dort vielleicht eine Strategie wie diese (“Why Counting on Apathy Might Not Be Enough”) dahinter. Aber das ist wohl Spekulation.
Es muss doch heutzutage nicht mehr sein, dass solche Meinungsmache, die auchnoch als investigativer Journalismus daherkommt unwiedersprochen bleibt.

Hatte ich auch gesehen…

War recht einseitig der Beitrag.

Ich habe es auch gesehen, und fand die Kritik sehr berechtigt.
Wiki-leaks ist bei weitem nicht so sauber wie es sich dartellt.

Ich habe es auch gesehen, und fand die Kritik sehr berechtigt.
Wiki-leaks ist bei weitem nicht so sauber wie es sich dartellt.

Naja, sauberer jedenfalls als die großen Kritiker. Ich denke mal, das US-Militär hat mehr Dreck am Stecken als Wikileaks.

Andererseits brauchen wir Institutionen wie Wikileaks. Stell Dir mal vor, Du bekommst aus welchen Gründen auch immer Beweise für ein Verbrechen in die Hände. Das kannst Du nun einfach an Wikileaks schicken und die kümmern sich darum, ohne selbst irgendwelchen Repressalien zu unterliegen. Stell Dir beispielsweise vor, Dein Chef veruntreut Geld. Du willst dann nicht, dass Dein Chef rauskriegt, dass Du das gewusst hast.

Ein zweiter wichtiger Punkt für Wikileaks ist auch, dass dadurch endlich Quellmaterial verfügbar wird. Dadurch kannst Du Dir mit wenig Aufwand Dein eigenes Bild von den Inhalten machen.

In der kürzlichen Sache war es im übrigen so, dass Wikileaks die entsprechenden Behörden verständigt hat und auch einen großen Teil der Dokumente nicht veröffentlicht hat. Offensichtlich sind das die die wirklich Leben gefährden könnten.

Besonders ärgert mich, dass in Bezug auf das schwierige und wichtige Thema des Schutzes von afghanischen Kollaboratören nicht einmal erwähnt wird, dass wikileaks offenbar über die NY-Times vor der veröffentlichung der Dokumente versucht hat Kontakt mit dem Weißen Haus aufzunehmen, um zu verhindern, dass Menschen gefährdet werden.

Noch schlimmer, da wurden die Gefahren erkannt und trotzdem wurde es letztendlich veröffentlicht.
War es aber nicht auch so, dass solche Vorfälle bekannt waren und zuvor schon heftigst darüber diskutiert wurde ob und wie das veröffentlicht wird?

@Casandro
Wie wärs mit seriösen Zeitungen?
Hier kann dann wenigstens der Redakteur dem nachgehen und unwichtige private Dinge, die nicht in die Öffentlichkeit gehören heraus nehmen.

@Hurz

Man könnte auch darüber Reden, wie verantwortungslos es vom Weißen Haus ist, nicht auf den Vorschlag einzugehen. Wieso gibt es eigentlich darüber keine Empörung? Es scheint ja wichtiger für die Regierung zu sein, wikileaks zu diskreditieren, als das leben der Informanten zu retten. Deswegen bleibe ich dabei: wie kann man einen Beitrag machen und wikileaks diese Vorwürfe machen, ohne so eine Tatsache zu erwähnen?
Es geht in dem Beitrag sicher nicht darum das Thema zu beleuchten, sondern eindeutig darum wikileaks in die kriminelle Ecke zu stellen. Die Dokumente ermöglichen der Öffentlichkeit einen wirklich unabhängigen Blick darauf was dieser Krieg bedeutet. Ich denke das ist der Punkt um den es geht.

Findest du es nicht zynisch, wenn ein Militärapperat, der 100Tausende Menschen auf dem Gewissen hat (und das aus Motiven, die sich Teilweise klar als Lüge herrausgestellt) haben, über wikileaks sagt die Organisation hätte Blut an ihren Händen? Sowas kann man eigentlich nur dann schlucken, wenn man die (teilweise eindeutig illegalen) Kriege und ihre Hintergründe nachhaltig nicht hinterfragt.

Man könnte auch darüber Reden, wie verantwortungslos es vom Weißen Haus ist, nicht auf den Vorschlag einzugehen. Wieso gibt es eigentlich darüber keine Empörung?

Weil sich eine Regierung nicht durch sowas erpressen lassen darf.

Findest du es nicht zynisch, wenn ein Militärapperat, der 100Tausende Menschen auf dem Gewissen hat (und das aus Motiven, die sich Teilweise klar als Lüge herrausgestellt) haben, über wikileaks sagt die Organisation hätte Blut an ihren Händen? Sowas kann man eigentlich nur dann schlucken, wenn man die (teilweise eindeutig illegalen) Kriege und ihre Hintergründe nachhaltig nicht hinterfragt.

Ich bin jedenfalls der Meinung, dass man die Haltung über Wiki-Leaks nicht davon abhängig machen sollte, wie man den Krieg empfindet.

Trotzdem, man muss schon sagen, dass der Bericht absolut einseitg ist.

Weil sich eine Regierung nicht durch sowas erpressen lassen darf.

Tut mir leid, dass ich das so sagen muss, aber das ist Quatsch. Das ist jawohl keine Erpressung. Erpressung wäre es nur dann, wenn es eine Forderung gegenüber der Regierung gegeben hätte. Das war aber eindeutig nicht der Fall. So ist es einfach nur ein Angebot zur Kooperation. Wer hätte denn Schaden genommen wen die US-Regierung zusammen mit der New York Times die Dokumente gesichtet hätte?

Kooperiere oder ich veröffentliche:
Was ist das bitte sonst als Erpressung?

Also das Ziel, das wikileaks durch seine “Erpressung” erreichen will ist, das die US-Regierung Daten durchschaut um informanten zu Schützen? Das ist ja wirklich ein niederträchtiges Motiv.
Bei wikipedia steht: "Bei der Erpressung versucht ein Erpresser, sich selbst oder Dritte rechtswidrig durch Gewalt oder durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern."
Wer wird denn hier bereichert? Die einzigen die wohl wirklich davon profitiert hätten wären wohl die Afghanischen Kolaboratöre. Aber deren Leben dann doch nicht wichtig genug zu sein.

Übrigens hätte ja nichteinmal mit wikileaks zusammengearbeitet werden müssen, sondern lediglich mit der New York Times um den Schaden, wenn denn da wirklich einer ist, zu begrenzen.

Unabhängig davon ob du es nun wirklich “Erpressung” nennen willst, sollte das ganze trotzdem in einem Beitrag erwähnt werden, der Vorwürfe gegen wikileaks macht. Denn ich bin mir sicher, dass es bei der Bewertung durch die meisten Leute zumindest unterschiedliche Einschätzungen gibt. Wenn man diese Info nicht hat, wird in jedem Fall ein Zerrbild vermittelt. Genau das war meine Kritik.