Bundes- gegen Länderwahlkampf im TV

Hallo,

ich sehe auf Phoenix gerade Klipp & Klar!
es geht hier um den Brandenburger Landtagswahlkampf!
in dieser Sendung werden alle Parteien eingeladen und die Zuschauer können Fragen Stellen.
hier werden auch die Parteien erwähnt die unter sonstige geführt wurden (Ergebnis der letzten Wahl).
Warum klappt so ein Format nicht auch bei der Bundestagswahl, immerhin läuft es auf Phoenix und es geht um “Brandenburg” und nicht um das ganze Land?
also scheint es wohl doch ein interesse zu geben auch bei grossen Sendern!

MfG SdG

Das ist mir auch aufgefallen.

Ebendieses Format gab es bei den vergangenen Bundestagswahlen immer in der ARD. Warum man es diesmal nicht ausstrahlt, entzieht sich meiner Kenntnis. Haben etwa die Vertreter der großen Parteien in den Rundfunkgremien für diese Wahl ein „Wir müssen leider draußen bleiben“-Schild gebastelt, um den kleinen Parteien noch nicht einmal dieses Fitzelchen Restaufmerksamkeit zuzugestehen? :wink:

Ich fand diese Runde immer sehr interessant, auch wenn die vorgestellten Parteien für mich als Wähler nicht in Frage kamen. Bei rechten Parteien kam es regelmäßig zu Tumult im Studio und besonders lebhaft ist mir der Auftritt Christoph Schlingensiefs Chance 2000 in Erinnerung. :mrgreen:

Vor der Europawahl gab’s immerhin ein Feature auf BR3, wo die kleineren Parteien in Filmchen vorgestellt wurden, in denen sich jeweils ein Parteisprecher unwidersprochen zu drei Fragen äußern durfte.

Hoffentlich besinnt man sich bei zukünftigen Wahlen eines Besseren.

Ja das auf BR habe ich auch gesehen und habe auch schon gedacht tolles Format!
Mir drängt sich nur der verdacht auf das die Großen Parteien Angst vor den kleinen haben!!!
Heute mehr als Früher! Den wenn die Wähler von den Großen Partei schon zur PDS abwandern was soll dann erst passieren, wenn die spät entschlossenen oder unzufriedenen von anderen Parteien erfahren die ihren interessen mehr zusagen als die “10 %” Parteien!

Das Phänomen lässt sich - IMHO - so erklären:

Parteien auf der Landtagsebene sind etwas dichter am Bürger. sie haben - jedenfalls meistens - mehr Verständnis für die „kleinen Leute“ und werden von denen auch so empfunden. Der Umschwung zu Themen- oder Spartenparteien ist meist an reale Probleme (wie Lohneinbußen, soziale Mißstände, etc.) gebunden, wobei sich der Wähler von diesen Parteien eine direktere Lösung verspricht.

Auf der Bundesebene sind die Parteien zu weit weg vom Bürger. Es geht um Probleme, die auf direkter Linie den Bürger nicht betreffen. Viele Wähler argumentieren deshalb auch entsprechend. Sicherlich haben diese Leute eine Meinung zu Auslandseinsätzen der BuWe z.B., aber wichtiger ist ihnen, das was auf dem Teller ist und man morgen noch Arbeit hat.

Die ganze HARTZ4-Problematik hat der Linken enorme Stimmzuwächse beschert, verstärkt wurde das noch durch Pannen der großen Koalition und … die Bankenkrise. Die brauen sehen den schwarzen Peter in der Ausländerzuwanderung und führen Argumente an, das der Arbeitsmarkt entzerrter wäre, wenn die Stellen von Deutschen besetzt wären, usw. usw.

Diese Logik können die Menschen nachvollziehen. Sie ist nicht hochgestochen, sie ist einfach,… sie ist angepasst auf die Zielgruppe.

Diese Bodenhaftung haben „die großen Parteien“ nicht (mehr). Man schwebt über den Problemen, verspricht Lösungen und schafft dabei neue Probleme. Und man redet am Wähler vorbei.

Die großen Parteien wissen das, können aber nichts dagegen tun, weil sie die Fähigkeit dazu verloren haben. Sicherlich sind die Probleme bekannt, aber „… man muß das im globalen Zusammenhang betrachten und …“. Genau DAS will der Wähler einer kleinen Partei nicht. Er will nichts globales … er will „seinen“ Globus in Ordnung sehen.

Entscheidend ist immer das Problem, das einen Menschen bewegt und lähmt. Jeder, der eine nachvollziehbare Lösung präsentiert, wird seinen Zuspruch haben.

Der Vollständigkeit halber:

Gestern Abend nach den Tagesthemen zeigte die ARD einen 90-minütigen Film, in dem man sich mit einer ordentlichen Portion Polemik mit den kleinen Parteien beschäftigte. Faire und ausgeglichene Berichterstattung sieht anders aus. Der Duktus des Films wurde getragen von einem ironisch-überlegenen Anthropologen-Interesse an den liebenswerten Spinnern, die sich in Splitterparteien organisieren.

Zuerst habe ich mich über den Sendeplatz geärgert, aber hinterher war ich froh, dass es zu diesem Zeitpunkt wenigstens kaum jemand gesehen haben mag. :smt021