BRD vs. GB - Sterbehilfe im TV

Hallo lieber Fernsehkritiker,
hallo liebe Community,

der ein oder andere hat es vielleicht aus den Medien entnommen und ich bin erstaunt, dass dieses Thema hier scheinbar noch nicht aufgegriffen wurde. Vielleicht ist es der Hang des Menschen nur dass zu beurteilen, was ihn selber betrifft.

Ich bin ein großer Fan dieser Seiten, des FK, dieses Forums - aber dieses Thema verleitet selbst mich als Schreibfaulen dazu, über eine Schwelle zu sprechen oder zu kritisieren, die denn noch eine Schwelle ist?!

Die Thematik der Sterbehilfe, des gedulteten Selbsttodes ansich, ist bestimmt eine Thematik die ich hier nicht einmal aufgreifen möchte. Jeder hat wahrscheinlich seine Meinung dazu, jeder sieht dass Pro und Kontra - aber mit welchem Recht beutet ein britischer TV-Sender diese Thematik aus, gegen Einschaltquoten.

Ich stelle mir dass jetzt nicht so extrem vor, dass kurz bevor die Geräte abgeschaltet wurden, noch ein Sponsoring oder gar eine Werbung eines Beerdigungsinstitutes eingespielt wurden, aber in einem TV Sender geht es um Einschaltquoten, macht natürlich auch Sinn - und im Zeitalter von Call-In und Wiederholungsnächten ist es manchmal schwierig ein Thema zu finden, was die Bevölkerung begeistert und gleichzeitig nicht ihr Niveau senkt.

Aber ich dachte die deutsche Television wäre arg an meine Grenzen der Toleranz gestoßen - BigBrother, Sozialfahndung LIVE!, Eingriffe in sämtlich menschliche Würde - aber scheinbar sind die Briten da schon weiter.

Mich würde es interessieren, was Ihr dazu denkt. Was der TV-Kritiker dazu meint.

In diesem Sinne
Dennis

Hast du das hier bereits gelesen?

http://www.bildblog.de/4549/1-selbstmor … 16-jahren/

Die Briten waren also durchaus nicht die Ersten, die diese - äh - pikante Angelegenheit gesendet haben. Bei Dokumentationen kann man unter Umständen streiten, auch wenn es mir persönlich lieber wäre, solche Bilder aus Gründen der Privatsphäre des Toten und dessen Angehörigen nicht zu senden (Ich rede speziell vom Todeskampf). Soweit ich informiert bin, hat der Betroffene zuvor zugestimmt und die DVD ist auch frei erhältlich - eben weil es ein wichtiges Thema ist (Suizidtourismus).

Meiner Meinung nach wirklich nichts, was man im TV zeigen sollte. Da kann man ja gleich die Enthauptungsvideos unserer muslimischen Freunde oder andere Snuff-Filmchen zeigen. Gewalt im TV ist ja soweit ok, solange sich das alles auf einer fiktiven Ebene (eben in Filmen) abspielt, aber reale selbstmorde zu zeigen, geht zu weit! Weiß man denn, um wieviel uhr das gezeigt wurde?

Nun, im Internet ist der Clip jederzeit aufrufbar.

Laut SF lief die Dokumentation an folgenden Zeiten:

23.10.2008, 20:00 Uhr auf SF 1 (!)

Wiederholungen:

  1. Oktober 2008 um ca. 01.50 Uhr auf SF1
  2. Oktober 2008 um ca. 11.00 Uhr auf SF1 (!)
  3. Oktober 2008 um ca. 05.35 Uhr auf SF1

Da kann man ja gleich die Enthauptungsvideos unserer muslimischen Freunde oder andere Snuff-Filmchen zeigen.

Na ja, ich bin prinzipiell deiner Meinung, aber in diesem Fall handelt es sich um Selbsttötung und der Betroffene hat zuvor eingestimmt.

Vielleicht kann mir mal einer die Widersprüche auflösen, die ich zum Einen darin ehe, das …

… sich alle Welt darüber echauffiert, das der freiwillige Suizid eines Menschen im Fernsehen gezeigt wird … und …

… unsere Nachrichten das in jeder Sendung pausenlos wiederholen …

… und zum Anderen in der Tatsache, das Beihilfe zur Selbsttötung in Großbritannien empfindlich bestraft wird, aber die Ausstrahlung einer solchen “Straftat” offensichtlich ein Kavaliersdelikt ist.

Ich finde es auch nicht schlimm, wenn sich jemand dazu entscheidet, seine Entscheidung zur Sterbehilfe öffentlich zu machen bzw. dass so etwas im Fernsehen ausgestrahlt wird. Er hat das - soweit ich das richtig verstanden habe - doch selbst verlangt? Solange diese Reportage sachlich und informativ war, spricht miner Meinung nach nichts dagegen. Sollte sie aber nur zum Quotenfang reißerisch und populistisch à la Bild-Zeitung gemacht sein, so würde ich das zutiefst verurteilen.

Vielleicht kann mir mal einer den Widerspruch auflösen, den ich […] darin sehe, dass […] Beihilfe zur Selbsttötung in Großbritannien empfindlich bestraft wird, aber die Ausstrahlung einer solchen „Straftat“ offensichtlich ein Kavaliersdelikt ist.

Ich denke, das liegt daran, dass ja auch bei Krimis Morde ausgestrahlt werden dürfen… ob das gezeigte Verbrechen fiktiv oder real ist, wird rechtlich wohl keine Rolle spielen. Ein aktuelles Beispiel: Die Randalierer in Athen begehen ja auch Verbrechen, trotzdem darf die Tagesschau Berichte mit Videomaterial darüber bringen.

Das sehe ich zwar auch so, aber ich bin dennoch der Meinung, dass der Todeskampf an sich, nichts im Fernsehen zu suchen hat. Das hat mich teilweise an die Kondition gegen Todesangst in „Schöne neue Welt“ erinnert. Ich stelle mir das als möglicher Angehöriger sehr, sehr unangenehm vor.

Zwischen Berichterstattung und Kriminalfilme liegen dann doch ein oder zwei Weltchen…

Und was das für eine Rolle spielt !

… und … ich habe dem von Jesa gesagten nichts weiter hinzuzufügen …

… und zum Anderen in der Tatsache, das Beihilfe zur Selbsttötung in Großbritannien empfindlich bestraft wird, aber die Ausstrahlung einer solchen „Straftat“ offensichtlich ein Kavaliersdelikt ist.
Diese Frage hat auch mich beschäftigt, jedoch

a) ist das Urteil über die Ausstrahlung noch nicht gesprochen. Wer weiß, ob OFCOM oder Staatsanwaltschaft nicht noch Untersuchungen über die Sendung und/oder deren Beteiligte einleiten werden.

b) fand der begleitete Selbstmord in der Schweiz statt. Es ist umstritten, ob dies ein justiziabler Fall für britische Behörden ist.

c) wurde die Sendung m.E. nicht nur aufgrund des öffentlichen Erregungspotentials produziert und ausgestrahlt. Der verantwortliche Sender gehört zum Sky Network, ist mithin kein frei empfangbarer Sender, der unmittelbar auf Einschaltquoten angewiesen ist. (Der Fall wäre anders gelagert hätte man den Film als Pay-per-View-Angebot ausgestrahlt).

Hier wurde die legitime Diskussion um begleiteten Selbstmord angestoßen und belebt. Sollte die britische Öffentlichkeit zu dem Schluss kommen, dass die bestehende Gesetzgebung geändert gehört, wird sich bestimmt eine politische Partei finden, die dies zukünftig propagiert (LibDem, wer sonst? :mrgreen: )

Fazit: Nachdem sich die niederländische Transplantationsshow als Flop erwiesen hat und die belgische Separations-Mockumentary belanglos verpufft ist, hoffe ich diesmal auf eine ernsthafte Debatte im Vereinigten Königreich über humane Sterbehilfe. (mit welchem Ergebnis auch immer)

Um mich mal kurz zu rechtfertigen (@Isegrimm und Jesa):
Als ich gesagt habe, der Unterschied zwischen realer und fiktiver Gewalt spiele keine Rolle, so bezog ich mich auf die rechtliche Regelung zur Ausstrahlung von solchem Viedomaterial. Natürlich besteht ein gravierender Unterschied dazwischen, ob ein Mensch wirklich umgebracht wird oder der Mord nur gepielt war. Außerdem dürfen allzu gewalttätige Szenen ja zumindest hierzulande nicht allzu früh oder überhaupt nicht im Fernsehen gezeigt werden.

Ich stelle mir das als möglicher Angehöriger sehr, sehr unangenehm vor.

Ich weiß ja nicht, wie das im hier vorliegenden Fall war - aber bevor ich so eine Reportage veröffentlichen würde, spräche ich das auf jeden Fall mit meinen Angehörigen ab und würde sie auch nach ihrer Meinung dazu fragen.

Ich habe zwar keine Juristerei studiert, kann dir aber versprechen, dass diese Aussage das Potenzial eines Topfschlagespiels in einem Tretminenfeld beinhaltet.

Laut den Dokumentatoren hat sich die Frau des Betroffenen von ihrem Manne im Vorfeld verabschiedet. Ob sie Widerstand gegen die Austrahlung gehegt hat, ist nicht erwähnt worden.

„Philanthropen“ wie etwa Roger Kusch lassen mich vor aktiver Sterbehilfe ernsthaft zurückschrecken. Passive Sterbehilfe? Gerne. Aber aktive? Puh… Schwer…

Und die ist ziemlich eindeutig.

Es gibt sie nämlich nicht. Und doch spielt es eine Rolle. Man hat sich allgemein medienrechtlich darauf verständigt, das Bilder, die z.B. Kampfhandlungen in Kriegsgebieten zeigen, nicht die Darstellung in der letzten Konsequenz beinhalten, also die Auswirkungen eines Bauchschusses oder vielleicht die Darstellung eines Infanteristen, der auf eine Mine tritt.

Man hat sich darauf verständigt, das Gewalt gegen Gegenstände aber nicht gegen Menschen mit dem Ziel der Darstellung einer Tötung opportun ist. Sicherlich wissen wir alle, das in dem Jeep, der von der Autobombe eines Fanatikers gesprengt wird, auch Menschen zu Tode kommen,… aber es ist nicht die direkte Darstellung.

Und darauf kommt es - ethisch gesehen - an.

Der Vergleich zwischen den Bildern vom Todeskampf eines Menschen und den Bildern steinewerfender Chaoten in Griechenland hängt also gewaltig.

Danke für die Ausführungen, Isegrimm.
Ich bleibe jedoch bei meiner Meinung: Die Darstellung eines freiwillig sterbenden Menschen, der sogar verlangt hat, dabei gefilmt zu werden, ist nicht verwerflich. Wenn sie, wie bereits gesagt, nicht reißerisch im Stil von “Lebt er nach der Werbung noch? Bleiben Sie dran!” gehalten ist, sondern auf die Person selbst und ihre Entscheidung eingeht, finde ich sie auch nicht geschmacklos. Wer es nicht verkraften kann, einem Menschen beim Sterben zuzusehen - ich selbst könnte das, ehrlich gesagt, auch nicht - der wird ja nicht dazu gezwungen, sich die Reportage anzusehen. Die, die sich hingegen ernsthaft für das Thema interessieren, können sich so eine Reportage anschauen.
Ob man “Gewalt” verübt, wenn man Selbstmord begeht, ist außerdem noch mal eine andere Frage, finde ich.

Die sich ernsthaft mit dem Sterben eines Menschen, ob freitodlich initiert oder nicht, auseinandersetzen, die wissen, das es die intimste Sache it, die ein Individuum haben kann und ich kenne keinen Befürworter der Sterbehilfe, der sich eine solche Reportage auch noch anschauen müsste.

Vielleicht denkst Du anders darüber, wenn ein Mensch den Du liebst, in Deinen Armen starb und … Du das letzte warst, was seine Augen auf dieser Welt sahen oder - wenn Du so wie ich - dabei warst einem Menschen auf der Straße das Leben zu retten und die Reporter Dir schon auf der Sauerstoffflasche standen.

Sicherlich, der Sterbende wollte diesen Anblick für die Nachwelt erhalten und so für seine Entscheidung ein breites Forum schaffen … und sicherlich wollte er denen, die ihn dabei unterstützten auch den Rückhalt ihrer Arbeit in Öffentlichkeit stärken,… aber trotzdem bleibe ich dabei … eine solche Übertragung hat nichts in der breiten Ausstrahlung zu suchen.

Es war doch ganz allein seine Entscheidung gewesen. So etwas wie ein letzter Wille. Den darf man ihm doch nicht verwehren, oder? Und bei aktiver Sterbehilfe, hm… wenn da wirklich jemand so schrecklich leidet und keine Aussicht auf Genesung ist, dann wäre das restliche Leben doch nur noch eine Tortur. Das ist wie, als würde man ewig leben, aber mit einer unheilbaren Krankheit.

… wenn da wirklich jemand so schrecklich leidet und keine Aussicht auf Genesung ist, dann wäre das restliche Leben doch nur noch eine Tortur. Das ist wie, als würde man ewig leben, aber mit einer unheilbaren Krankheit.

Das habe ich mich auch gefragt, warum der Mensch nicht entscheiden kann, wenn er sterben will, weil eine Genesung kaum oder gar nicht mehr möglich ist. Bei den Tieren macht man das doch auch, wenn es dort keine Chanche auf Genesung gibt, dann wird es doch eingeschläfert und das ist für mich auch „Sterbehilfe“. Jeder Mensch der noch „geistlich Fähig“ (mir fällt gerade keine bessere Bezeichnung ein) ist, kann doch selber entscheiden, ob er sterben will oder nicht. Es muss dann nur noch notarellisch beglaubigt werden, so ähnlich wie bei einem Testament.
So wie ich das einschätze, werden die Gesetzgeber nicht mitspielen.

Es war doch ganz allein seine Entscheidung gewesen.

Richtig.

So etwas wie ein letzter Wille. Den darf man ihm doch nicht verwehren, oder?

Generell richtig.

Wenn es mein letzter Wille ist, das man ein Video davon zeigt, wie ich mir eine Kugel durch den Kopf jage, dann dürfte man mir den auch nicht verwehren, hmmm?

Und bei aktiver Sterbehilfe, hm… wenn da wirklich jemand so schrecklich leidet und keine Aussicht auf Genesung ist, dann wäre das restliche Leben doch nur noch eine Tortur. Das ist wie, als würde man ewig leben, aber mit einer unheilbaren Krankheit.

Darum geht’s auch gar nicht, das ist unstrittig (jedenfalls für mich).

Ich hab ja keine Probleme damit, wenn jemand seinen eigenen Tod filmt.
Ich hab auch keine Probleme damit, wenn jemand dieses Video der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Aber ich habe ein Problem damit, wenn Sender dieses Video ständig abnudeln … ein Mensch stirbt nur einmal,… ein Mensch stirbt und dann lebt nur noch der Gedanke an ihn. Aber ihn im Frühstücksfernsehen, zur Mittagszeit, in der Primetime und dann spät abends immer wieder „sterben“ zu lassen … das war sicherlich nicht in seinem Sinne und empfinde ich als schlichtweg … pervers.

Ipso Facto.

Das Medium Fernsehen ist derart bestellt, dass es auf Komponenten wie Einschaltquoten, Wiederholungen, Produktionskostenanalysen, Werbeschaltungen usw. nicht verzichten kann. Wir, die wir in diesem Forum aktiv sind und die Leistungen des Fernsehkritikers würdigen und unterstützen, halten diese Mechanismen häufig für perverse Spielarten gezielter Manipulation, Massenverblödung und unethisch. In diesem Fall prallt all dies auf eine difizile andere Fragestellung, die da wäre, ob ein Mensch selbst entscheiden darf, ob und wann er sterben will. Überrraschenderweise sind hier die meisten (wie ich) der Meinung, dass Sterbehilfe mehr oder weniger befürworten. Geknüpft an Randüberlegungen, ob dieser Mensch noch bei vollen Geisteskräften sein muss, die Familie ein Mitspracherecht hat usw., sind wir ansonsten relativ einig. Streit entsteht lediglich dadurch, dass die eine Sache nun durch den Fleischwolf “Fernsehen” gedreht wird und deshalb Gefahr läuft, ebenso zu pervertieren, wie Sozialfahnung Live und Big Brother.

Ich persönlich finde die Dokumentation gut. Die Streitdiskussion um die Sterbehilfe ist ein dogmatisch geführter Grundkonflikt, bei dem zu meist religiös geartete Menschen Fürsprache für ein natürliches Lebensende halten. Viele Regierungen der Welt halten nur an den bestehenden Gesetzen fest, da Monotheisten auf die gemeinsame, z.B. kristliche Chultur verweisen. Auf dieser Ebene entsteht bei mir verzweifelte Wut und Machtlosigkeit. Daher heiligt hier der Zweck die Mittel. Um die Öffenlichkeit für die Thematik zu sensibilisieren, also indirekt mobil gegen die verstaubten Auslegungen jener zu machen, die sich auf eine Allmacht berufend sicher wehnen, stets das richtige zu tun, ist mir auch das Fernsehen recht.

Irgendwer kritisierte den Aspekt, dass die Sendung mehrmals ausgestrahlt wird, der intimste Augenblick des Sterbenden also immer und immer wieder gezeigt und da durch automatisch instrumentalisiert wird. Die Mechanismen des Mediums greifen also. Ich frage umgekehrt: Wäre es nicht viel “schlimmer”, weil künstlich exponierter, würde man den Beitrag als einmaliges Event bewerben, welches ohne Werbeausstrahlung auskommt? Würde dies die Verbreitung und Speicherung durch Videos und Internet verhindern? Würde es das gewollte Sterben nicht auf eben jene Ebene stellen, derenwegen diese Entscheidung von vielen tabuisiert und geächtet wird? Ich finde diese für unsere Zeit gewöhnlich Aufbereitung der Dokumentation ganz richtig. Alles andere würde dem Vorhaben nicht gerecht, die Menschen sensibilisieren zu wollen. Alles andere würde tendenziell dazu führen, dass Thema während der Ausstrahlung mit pochendem Herzen zu verfolgen, danach jedoch geistig schnell wieder auszusperren. Die normale mediale Behandlung des Themas ist der einzige Weg, dem Wunsch des Sterbenden (nun Toten) gerecht zu werden. Alles andere wäre meines Erachtens eine unethische Ausschlachterei der Thematik.

Irgendwer kritisierte den Aspekt, dass die Sendung mehrmals ausgestrahlt wird, der intimste Augenblick des Sterbenden also immer und immer wieder gezeigt und da durch automatisch instrumentalisiert wird. […]

Der „irgendwer“ war ich … :mrgreen:

Und „Nein!“ … dem Rest Deiner Auslegung (ab da, davor allerdings schon) kann ich mich nicht anschliessen. Und das aus folgendem Grund:

Dieser Mensch (und ich kann hier - so wie jeder von uns - nur spekulieren) hat diese Videaufzeichnung als einen letzten Willen, als ein Vermächtnis angedacht. Hier geht es nicht darum, das Sterben eines Mensch zu dokumentieren und zu beobachten, hier geht es nicht um eben diese letzten Minuten … hier geht es um den Umstand, das ein Mensch in seinem freien Willen diesen Entschluß herbeigeführt hat.

Dieser Mensch will dokumentieren, das die einzige Entscheidung zu der er noch fähig ist von ihm getroffen und von der Welt akzeptiert wird.

Nicht sein Sterben, nicht seinen Tod.

Und dieses Erlebnis, diese Entscheidung,… dieser dokumentierte Willen ist ein Unikat. Er soll der Welt einmal vor Augen geführt werden, die Welt soll einmal diese Entscheidung und ihre Folgen erleben. Und dann begreifen.

Die Aufnahme eines Naturschauspiels lässt uns beim erstenmal Ehrfurcht und Erstaunen, vielleicht sogar Angst empfinden. Mit jeder weiteren Ausstrahlung verliert sie diesen Zauber.

Die Aufnahmen von den Einschlägen im WTC haben mich beim ersten mal noch mit Entsetzen erfüllt,… die nachfolgenden Wiederholungen liessen dieses Gefühl verblassen … und mitterweile ist es nur noch Sachlichkeit, die vorherrscht.

Genau das ist es, was mit dieser Dokumentation geschehen wird … sie wird verblassen und … der letzte Wille des Regisseurs, Protagonisten und Produzenten wird zu reiner Sachlichkeit gerinnen.

Leider.

Und dieses Erlebnis, diese Entscheidung,… dieser dokumentierte Willen ist ein Unikat. Er soll der Welt einmal vor Augen geführt werden, die Welt soll einmal diese Entscheidung und ihre Folgen erleben. Und dann begreifen.
Die Aufnahme eines Naturschauspiels lässt uns beim erstenmal Ehrfurcht und Erstaunen, vielleicht sogar Angst empfinden. Mit jeder weiteren Ausstrahlung verliert sie diesen Zauber

Gerade das war die Intention der Ausstrahlung: Eine Diskussion über das pro und contra des begleiteten Freitods. (sic!)

Insbesondere weil Chris Ewerts begleiterter Selbstmord kein Dutzendprodukt ist, lädt es uns (i.e. die britische Öffentlichkeit) zu einer Diskussion über Sterbehilfe (aktiv / passiv / wenn überhaupt) ein.

Wie ich bereits im vorherigen Post andeutete, ist es bedauernswert, dass die Debatte vorhersehbar ist: Tories und Labour werden sich vom voyeuristischen Aspekt der Sendung distanzieren, während LibDem die Gelegenheit nutzen wird, den assistierten Freitod zu unterstützen, ohne zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe zu unterscheiden ---- was bedeutet, das die Debatte auf den simplen Slogans reduziert wird: I Won’t Survive! (schade, schade, schade!!!)