Berichterstattung 3fach-Suizid in Niedersachsen

Vor ca. 1 oder 2 Wochen gab es in Niedersachsen, nähe Damme, einen 3fach Suizid von 3 Jugendlichen, eine kam sogar extra aus München dafür her.

Die Berichterstattung dazu ist grottig wie eh und je: Es wird genau der “Tathergang” geschildert.
Laut Pressekodex soll v.A. im Fall von Selbsttötungen sehr vorsichtig berichtet werden, d.h. man veröffentlicht keine intimen Daten wie Name oder Adresse der Toten und auch keine genauen Details über den Tathergang. Dies ist so, weil es (im folgenden Bericht wird sogar von einem Experten von einer erwiesenen Korrelation gesprochen) oftmals Nachahmungstäter gibt, die dann sich auch auf diese Weise umbringen.

Zapp hat dazu ein wirklich gutes Video erstellt:

http://www.ndr.de/regional/niedersachse … id115.html

Ich hoffe, dass Holger darüber einen Bericht macht, denn hier wird der Pressekodex eklatant verletzt.

Edit: Danke an Ezzendy für den Hinweis, nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass es ein wenig bigott ist, wenn ich das hier anprangere und selbst den Tathergang schildere, auch wenn ich kein so großes Medium bin wie das Fernsehen.

Das hoffe ich auch,denn DIESE Art von Journalismas nimmt bewußt Selbstmorde in Kauf.
Aber es passt zur heutigen Medienlandschaft.

@Mr.Morizon: Als Themenvorschlag sicher gut geeignet für FK.TV, aber wenn ZAPP schon kritisiert, dass andere Medien die Begleitumstände nennen, dann solltest du das hier vielleicht auch vermeiden.

Nur eine Frage in die Runde.

Stimmt das wirklich:

Denn das wäre der größte Schwachsinn, denn ich je in meinem Leben gelesen/gehört habe. :expressionless:

MfG Forger

Achso, der größte Schwachsinn, den du je gehört hast. Nun, dieser Teil des Pressekodex’ besteht aus diesem Grund und das führt auch der Mann in dem Zapp-Beitrag an. Nach Robert Enkes Tod hat es wohl auch relativ viele Nachahmungstäter gegeben, die man verzeichnen konnte.

[-]Ja und? Diese Leute wären demnach auf andere Weise gegangen, als einen prominenten Tod zu imitieren.
Leute bringen sich nicht aus Lust und Laune um, sondern weil sie es vorhaben!
Und kein Beitrag der Welt über einen Selbstmord würde Leute mehr, oder minder zu solch einer Tat animieren, lediglich inspirieren, schmerzloser von dieser Welt zu scheiden, als sie es geplant hatten.

Sorry, ich verstehe, wenn man aus Pietät und Rücksicht auf die Hinterbliebenen von solch einer Berichterstattung absieht, aber aufgrund der Prävention von Nachahmern ist gigantischer Schwachsinn.
Für wie dumm hält man die Leute eigentlich?[/-]
Ich wurde leider (!) eines Besseren belehrt.

Trotzdem MfG Forger

aber aufgrund der Prävention von Nachahmern ist gigantischer Schwachsinn.

Erzähl das mal jemanden, der bei der Bahn als Lokführer arbeitet. Die sind nämlich schon ganz froh, dass über Suizid, speziell über Schienensuizid, laut Pressekodex nicht berichtet wird.

-> Werther-Effekt

Nix Schwachsinn!

Ja toll, deswegen gibt es dennoch ständig irre die sich vor nen Zug schmeißen.

Es würde mich nicht wundern wenn das die häufigste Form des Selbstmordes wäre.

“Funny” Fakt am Rande, es ist strenggenomen strafbar sich selbst umzubringen, nur kann man praktisch niemanden dafür bestrafen :ugly

Werther-Effekt

Wow, okay. Die Menschheit ist doch um ein Mehrfaches dümmer und lemmingähnlicher, als ich es vermutet hatte.
Vielen Dank für die Aufklärung, ich nehme alles zurück.
Heute haben leider auch Selbstmörder (die wirklich des Werther-Effekts und somit heftigster Medienbeeinflussung zugrunde liegen) für mich einen neuen Tiefpunkt erreicht. Traurig, traurig.

Aber noch einmal -> Vielen Dank für die Info. Bin jetzt sicherlich schlauer.

MfG Forger

@Forger

Hör auf Schwachsinn zu labern, von dem du absolut keinen Plan hast >:3

Der Werthereffekt ist wissenschaftlich bewiesen.

Hast du dich überhaupt schon ein einziges mal in deinem Leben intellektuell mit Selbstmödern befasst?
Du machst nämlich nicht den Eindruck.

Ja toll, deswegen gibt es dennoch ständig irre die sich vor nen Zug schmeißen.

Ach nee, wirklich :roll:

“[…] So hat sich nach Bahnangaben die Zahl der täglichen Schienensuizide in Deutschland nach dem Suizid von Robert Enke über mehrere Wochen um den Faktor fünf bis sechs erhöht.”

Es würde mich nicht wundern wenn das die häufigste Form des Selbstmordes wäre.

Ist es zum Glück nicht.

Hast du dich überhaupt schon ein einziges mal in deinem Leben intellektuell mit Selbstmödern befasst?

Ja, habe ich. Und das waren nicht solche dermaßenen “Nutcases”, wie es mir der Werther-Effekt suggeriert, sondern planten ihren Tod aus Ideologie, Rationalität, argumentativ unterstütztem Unglück und einer gesellschaftlichen Unbeweglichkeit, in der sie keine Handlungsoptionen mehr erkannten.

Ich kann mit Gewissheit sagen, dass keiner dieser Menschen, mit denen ich Kontakt hatte, sich von einem Spielfim (!), wie ja im Wikipedia-Artikel verzeichnet wird, in irgendeiner Form mehr oder weniger bestätigt gesehen hätte, noch in dem zufälligen Tod eines Prominenten, oder drei zufälligen Teenagern.

MfG Forger

Du redest wie ein 15-jähriger der deep klingen will.

Heute haben leider auch Selbstmörder für mich einen neuen Tiefpunkt erreicht. Traurig, traurig.

Dieser Satz ist entsetzlich, einfach entsezlich. Glaubst du die bringen sich freiwillig um? GLAUBST DU DAS WIRKLICH?

Dieser Satz ist entsetzlich, einfach entsezlich. Glaubst du die bringen sich freiwillig um? GLAUBST DU DAS WIRKLICH?

Du hast Recht -> sie werden dazu gezwungen!

Sollte diese Ironie nicht auf das von dir Gesagte passen, formuliere deine Sätze bitte sinniger.

MfG Forger

Ich kann dir nich folgen, bin zu blöd

Ich kann dir nich folgen, bin zu blöd

Nein, bist du sicher nicht.
Ich glaube nur, wir reden total aneinander vorbei!

Ich denke, du beschreibst das hier.
Während ich Verfechter des “Freitodes” bin.

Ich bin mir der psychologischen Bedingtheit vieler Fälle bewusst, auch wenn ich die “Depression” von Fall zu Fall immer noch für sehr zwiespältig halte. Psychologie wird allerdings stets als dieses mysteriöse Unterbewusste gehandelt, welches dich zu Taten zwingt, denen du durch Rationalität und Logik nicht ausweichen kannst. Diese Beschreibung trifft aber nur auf die Triebe zu bzw. Alltäglichkeiten, derer Nutzen wir uns nicht gewahr sind (z.B. Wieso weinen wir, wenn wir traurig sind etc.)

Den Entschluss zu fassen, sich umzubringen -> Um den kommt niemand herum! Und für jeden Menschen ist die Schwelle der möglichen Problembewältigung anders genormt.

Klar, können die Schienen zum Selbstmord gelegt werden, aber letztlich kannst nur du an ihnen zerbrechen. ZWINGEN tut dich niemand zum Selbstmord, denn das nennt man Mord.
Weshalb einige Menschen eher zerbrechen (Hänseln in der Schule) und andere praktisch gar nicht (Aron Ralston / Stephen Hawking), liegt daran, dass das Richten des Menschen gegen seine Artgenossen die einzige Form der naturellen Selektion und des “Kämpfens ums Überleben” ist, die wir noch haben.

e/ Sorry, Hawking und Ralston waren in dem Zusammenhang vielleicht schlechte Beispiele, aber mir ist nichts Probates eingefallen.

Ich hoffe, das ist jetzt klarer.

MfG Forger

Die opfer des Werhter Effektes werden auch nicht einfach so sagen “hach ich bring mich jetzt um weil der das da auch gemacht hat”. Die werden auch in einer für sie relativ ausweglosen Situation sein und den Schritt sich dann wirklich das Leben zu nehmen kostet dann doch ganz schön viel Überwindung und wird durch so ein Vorbild eben erleichtert.

Die Frage ob man über Selbstmord berichten soll und wie wird glaube ich schon seit Jahrzehnten diskutiert…
Worüber man sich einig sein sollte ist, dass man es nicht im Boulevardstil tun sollte, wie es damals bei Robert Enke passiert ist.

Mitreden kann ich da nicht, da fehlen mir die bisherigen Argumente und das Tiefenpsychologische Hintergrundwissen.

Dafür kann ich etwas anderes erzählen.

Und zwar hat sich bei uns erst neulich wieder jemand auf die Schienen gelegt, ganz in der Nähe von der Stelle, an der ich sonst mit dem Hund durch die Pampa streife.
Meine erste Reaktion war: Um Gotes Willen? Wer? Wie alt? Warum?
Bis mir dann plötzlich mit einem Schlag klar wurde: Das geht mich einen feuchten Scheißdreck an.
Ob es jetzt Probleme in seiner Familie gab oder ob seine Freundin Schluss gemacht hat, er depressiv war, schwer krank, seinen Arbeitsplatz verloren hat… Das geht mich nichts an. Ich habe kein Recht dazu meine Nase so tief da rein zu stecken, bloß weil ich neugierig bin, weil es mich kurzfristig fasziniert und vielleicht ein klein wenig beschäftigt. Denn nichts anderes ist es, als eben typisch menschliche Sensationsgier, wenn man nach genaueren Details fragt, anfängt so spekulieren ohne die Leute die es betrifft überhaupt auch nur zu kennen.

Ein Selbstmord ist etwas ganz schreckliches und eine Gesellschaft, in der soetwas gehäuft vorkommt muss sich fragen lassen: Was ist falsch?

Trotzdem gehen den neugierigen Bürger persönliche Details einer solchen Tat nichts an.
Was will er denn damit machen? Sich unterhalten? Spekulieren? Am Ende Schuld verteilen oder darüber lachen? Das gute Gefühl haben, dass er sowas ja nie machen würde?

Für mich ist das gar keine Frage des gefährlichen Nachahmungspotentials sondern des Respekts und des Anstands.
Ich finde manchmal muss man seinen Voyeurismus zügeln.

Bedeutend zynischer: dann soll Bild&Co demnächst mehr über die Menschen berichten die sich einsam in ihrer Bude aufhängen!

Warum? Das ist schrecklich, schon klar, aber es ist auch eine Form des Selbstmordes der sonst niemanden gefärdet.

Daher “besser” als von Plattenbau X springen und auf klein Timmy zu landen, auf der Autobahn Cobra 11 Bösewichte nachzuammen und so andere zu gefärden, oder sich ebend vor einen Zug zu schmeissen.

Und um mal auf den Pressekodex zurückzukommen, auf den wird verdammt oft drauf geschißen (was ich nicht gutheiße), wenn es um die Quote bzw Auflage geht.