Bei der BILD "hackts"

@MiDaNi
Man kann auch in alles das hineininterpretieren was man will. Prof. Harald Lesch hat dazu (es ging um Verschwörungstheorien und dergleichen) einmal in etwa gesagt: Er möchte nicht in einer Welt leben, in der ein solch negatives Menschenbild vorherrscht, dass man niemandem trauen kann und hinter allem etwas vermutet.
Und so sehe ich das auch… du nutzt hier das Argument “sie sind bei einem Majorlabel” um damit deine Ansichten zu rechtfertigen. Wieso? Sind Majorlabels der Teufel in Person? Es gibt durchaus Künstler bei diesen Labels die ihr eigenes Ding machen und sich einfach nur auf einen riesigen Verwaltungsapparat stützen wollen. Jeder Mensch will doch mit seiner Arbeit auch so viel Geld wie möglich verdienen.
Von Künstlern, gerade von denen in die etwas alternative Richtung, wird von vielen immer erwartet, dass sie ihre Botschaft doch am besten gleich umsonst übermitteln, das würde ja viel besser zu ihnen passen.
Würdest du umsonst arbeiten? Also ich nicht… wenn ich etwas gutes tun kann und gleichzeitig Geld dafür bekomme ist mir das gerade recht.
Zum Brief: Ich glaube ihr, dass es ihre Meinung ist. Was hätte sie tun sollen?
Gar nicht antworten? - BILD hätte mit Sicherheit weiter genervt
Zusagen? - Das wäre unglaubwürdig & Aufmerksamkeitsgeil gewesen
Die Antwort nicht veröffentlichen? - Wieso denn? Sie sagt der BILD, was sie von ihr hält und übt damit offen Kritik. Ist es jetzt schon verboten offen Kritik zu üben, weil man dadurch ja immer auch etwas Werbung für sich selbst macht? Am besten sagt in Zukunft keiner mehr zu irgendetwas seine Meinung, und wenn dann nur im geheimen. Sonst kommen Leute wie du und werfen einem abstruse Absichten vor.
Und selbst wenn sie sich gedacht hatte: “Hey, damit kann ich offen meine Meinung über die Bild kundtun und gleichzeitig ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen” dann soll sie das doch tun. Ist ihr absolut gutes recht und daran ist nicht das geringste schlimm.
Ihr aber zu unterstellen, dass ganze sei eine reine Werbeaktion und nur deswegen geschehen ist, ist einfach frech…

@strohaLm: „frech“ würde ich das nicht nennen, eher „paranoid“ (no offense, MiDaNi ).

Wenn man wirklich der Meinung ist, das hat alles keinen Zweck, man niemandem glaubt und hinter jeder noch so positiven Aussage gleich wieder eine böse Absicht vermutet, warum sich dann nicht gleich eine biologisch abbaubare Kugel verpassen um sich sang- und klanglos zu verabschieden? Das wäre konsequent.
Nach dieser Logik lohnt es sich nicht, überhaupt gegen irgendwas vorzugehen, Kritik zu üben, zu diskutieren etc.
Da frag ich mich: was will man dann hier, wenn man eine solche Einstellung hat? Alles schlecht reden? Sich der eigenen Meinung versichern, dass sowieso alles sinnlos ist?

Sorry, das ist mir zu depressiv bzw. deprimierend. Das ist wie die Frage, ob das Glas halbvoll ist oder halbleer.
Ich stimme strohaLm zu, der wiederum Prof. Lesch bemüht hat:

Er möchte nicht in einer Welt leben, in der ein solch negatives Menschenbild vorherrscht, dass man niemandem trauen kann und hinter allem etwas vermutet.

Exakt so sehe ich das auch, und ich möchte auch jemanden zitieren, der mir aus der Seele spricht:

Und zum „shooting fish in a barrel“: der Vergleich hinkt so sehr, dass er einen Rollstuhl benötigt. Wenn überhaupt, ist BILD ein „shark in the swimmingpool“, und der pool heisst „Deutschland“. Wer BILD unterschätzt ist naiv, und jeder der gegen BILD kämpft ist mir willkommen.
Im Übrigen: dass das ein PR-Coup gewesen sein soll, ist lediglich eine Unterstellung, nichts weiter. Die Aussage von Judith Holofernes ist hingegen sehr begrüssenswert.
Just my 2 cents.

@ezzendy:
es gibt mehr als zwei optionen in diesem fall.
jeder spricht über die band, nachdem es doch recht still um sie geworden ist, alle finden sie jetzt voll cool und dufte und spitze und alles, was kann daran denn bitte nicht gelungen sein?

Na und? Ist es verwerflich, wenn jemand das Richtige macht, wenn die „Gefahr“ besteht, daß ihm das zugleich guttut? Ist es nur dann glaubwürdig und moralisch respektabel, das Richtige zu tun, wenn es einem selbst schadet oder wenigstens in keister Weise nutzt?

wir sind also arrogante besserwisser, bloß weil für uns nicht alles heile welt ist und wir die möglichkeit in betracht ziehen, dass menschen berechnend und manipulativ sind?

Nein, weil ihr eure Spekulationen über Motive für ziemlich sichere Tatsachen haltet, und dann ein objektiv gutes Verhalten diskreditiert. (Die Antwort ist Rhetorik und gegen niemanden persönlich gerichtet.)

Jemand tut das Richtige.
Reaktion: Unterstelling in Form einer Spekulation: „Das ist sicher nur Kalkül!“
Folgerung. „Das verdient keinerlei Anerkennung“

Welcher Intention die Antwort der Band tatsächlich entspringt, bleibt reine Spekulation, und der Band Negatives zu unterstellen, bleibt eben dieses: Unterstellug. Und zwar Unterstellung ohne besondere Indizien.
Abgeshen davon: Selbst WENN die Antwort der Band dem Kalkül entspringen würde, wäre sie immer noch an sich gut.

Man kan n auch aus dem Guten noch etwas Böses machen, indem man dem Urheber ohne jeden Beleg undedle Motive unterschiebt. Wer ist dann noch zu loben? Wem kann denn nicht unterstellt werden, daß er des Geldes, des Ruhmes oder zumindest des subjektiven Gefühls moralischer Überlegenheit Willen handelt? So kann man jeden ganz einfach in Mißkredit bringen.

Kritisieren wir doch zuerst einmal diejenigen, die sich objektiv schäbig und widerwärtig verhalten, verlogen, menschenverachtendund rücksichtslos, und bei denen wir wirklich beste Gründe haben, unedle Motive anzunehmen.
Kritisieren wir erst einmal diejenigen, deren VERHALTN schlecht und deren MOTIVE höchstwahrscheinlich ebenfalls schlecht sind, und stellen wir nicht diejenigen mit ihnen auf eine Stufe, deren VERHALTEN respektabel ist, und bei denen es zumindest gut möglich ist, daß ihre MOTIVE ebenfalls anerkennenswert sind.

So hat die Bild reagiert: http://www.sebastian-heiser.de/download … fernes.pdf

Ist das echt? :expressionless:

Ja. Guck mal hier: http://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/27 … es-absage/

Wurde bei Bildblog.de erwähnt.

Achso…sie schalten es in der taz…da könnten sie auch gleich Werbung für Rolls Royce in der U-Bahn schalten…

Tja, ein cleverer Schachzug von BILD…nun druckt man die teils sehr deutliche Antwort in einer Zeitung ab, in der man den Lesern damit eh nix neues erzählt und riskiert somit auf keinen Fall denkende BILD-Leserschaft. Trotzdem kann man sich hinstellen und behaupten auch solche Meinungen zu drucken.

Achso…sie schalten es in der taz…da könnten sie auch gleich Werbung für Rolls Royce in der U-Bahn schalten…

Natürlich- der Diekmann ist bei der TAZ Genossenschaft.

viewtopic.php?f=13&t=7469&start=0#p182019
War auch einfach zu naheliegend. :smt013

Die Retourkutsche war abzusehen, da dieses Blatt sich nichts gefallen läßt. Was mich aber bei den Dankessätzen verwundert ist die “unentgeltliche” Meinung.

So wie ich diese Kampangne verstanden habe, soll doch alles irgendwie einem guten Zweck gespendet werden. Dann würde dass ja bedeuten, dass die “Zeitung” noch was nachzuzahlen hätte, da der Brief ja Werbung ist.

Aber das Spiel ist ja ohnehin beendet, denn das ganze ist “ein ziemlich lahmer Versuch, ein Rückspiel zu erzwingen, weil man aus der ersten Runde nicht besonders glorios hervorgegangen ist. Aber ich sehe nicht ein, warum ich mich drauf einlassen sollte, wenn ich schon geduscht habe und mit meinen Leuten singend im Bus sitze.”

In diesem Fall würde ich von 2 zu 0 für Judith sprechen.

Ja, es war abzusehen.

Und ich unterstelle Octavianus ein Studium der Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften, weil er da zuerst drauf kam. :wink:

Würde die Werbung alleine stehen, würde ich fast von einem Unentschieden ausgehen. Da allerdings in derselben Ausgabe auch das Interview zum Thema abgedruckt ist, behalten Zeitung und Judith wohl die Deutungshoheit. Deswegen auch von mir ein 2:0. Immerhin eine kleine Sache, bei der einem nicht der ganze Spaß genommen wird. 8)

Und ich unterstelle Octavianus ein Studium der Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften, weil er da zuerst drauf kam.

Nö. Lernt man da so etwas? War für mich in dem Moment einfach das Naheliegendste. Getreu dem alten Motto: Viel Feind’, viel Ehr’. :wink:

Die Bild ist ein schwarzes Loch in den grausigen Untiefen des Informationsuniversums.Egal wie hell ein Stern doch leuchten mag,dass “m/s²” ist zu groß und das “m” ist zu klein.

Die taz nimmt wiederrum die Gegenkampangne der Bild auf Judith Holofernes aufs Korn:

http://www.taz.de/1/sonstiges/gutt-zu-bild/

Im Grunde nur heisse Luft.
Ein super Werbung für beide Seiten.
Der Plattenverkauf wird angekurbelt und die arme unverstandene Bild lekt sich ihre Wunden.

In diesem Interview bestätigt Döpfner meine Vermutung:

In der TAZ? Ja, sehr mutig…ist ja so als behaupte ich bei nem Weight-Watchers-Seminar das Torte aber mal so richtig dick macht…