ARD-Mittagsmagazin - fehlerhafte Erklärung "Handy-Ortung"

“Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” - mit dieser fragwürdigen Einleitung begann ein Beitrag im ARD-Mittagsmagazin vom Mittwoch, 27.10.2010 (13 Uhr) mit dem Titel “Handy-Ortung: Hilfe für Demenzkranke”.

Mittagsmagazin: http://www.br-online.de/mittagsmagazin/sendung.shtml
Link zum Video des Beitrags: http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/5696824?pageId=487890&moduleId=314636

In dem Beitrag ging es um ein System, welches es ermöglichen soll Demenzkranke zu orten. Diese sollen dafür beispielsweise einen speziellen Gürtel oder spezielle Schuhe tragen.

Nicht fragwürdig, sondern einfach falsch ist die Erklärung des Systems anhand eines Schaubilds (im Video ab 1:43): Demnach gibt es vier Komponenten - zu ortende Person, GPS-Satellit, Server des Dienstanbieters, anfragende Person. Der Erklärung vom Mittagsmagazin nach, schickt beispielsweise der Ortungsgürtel sein Signal an den Satelliten, dieser wiederum seine Daten an den Server des Dienstanbieters und zum Schluss fragt eine Person beim Server an und bekommt von diesem die Antwort, wo sich der Patient befindet.

Der Fehler liegt gleich im ersten Schritt: kein GPS-Gerät schickt sein Signal an den Satelliten! Navigationsgeräte senden auch keine Signale dorthin. Vielmehr ist es so, dass GPS-Geräte die Signale der Satelliten empfangen. Speziell bei diesem Ortungssystem werden die empfangenen Signale per Handy-Netz (GSM) an die nächste Basisstation gesendet und von dort aus gelangen sie zum Server des Dienstanbieters (deshalb heißt der Titel des Beitrags schließlich auch “Handy-Ortung”).

Mit maximal einem Symbol mehr (eventuell hätte man sogar den Satelliten weglassen können oder alternativ die Basisstation und den Server zusammenziehen können, dann hätte man gleich viele Symbole gehabt) hätte man das System laienhaft korrekt erklären können. So hingegen hat man aber die Chance vertan und die Intention des ganzen Beitrages nicht erfüllt. Vielmehr hat man sicherlich den ein oder anderen Navigationsgerätebesitzer verunsichert. Denn dieser könnte nun glauben, dass er ständig durch sein Gerät geortet wird.

–jkk

„Die Daten werden über das Mobilfunknetz und die GPRS-Datenübertragung oder via INMRSAT-Satellitenfunk vom Fahrzeug zu unserem Internetserver übertragen. So wissen Sie genau in diesem Augenblick,
wo sich Ihre mobilen Objekte befinden.“ http://www.satellitenortung.com/

Ist natürlich die Frage, ob man am Gürtel dann eine Sendeschüssel braucht und eine Autobatterie mit sich herumschleppen muss :wink:

Hallo nimmerland,

natürlich gibt es grundsätzlich schon solche Systeme. So gibt es in Asien Satellitentelefone mit nahezu der Größe eines normalen Handys.

Speziell das dargestellte System funktioniert aber über das Mobilfunknetz und somit ist die Erklärung des Mittagsmagazins falsch. Zudem sprechen sie in dem Beitrag auch noch davon, dass es genauso wie die Navigationsgeräte das GPS-System nutzen und die Signale dorthin senden würde (genau sagen sie, es würde die Signale, genau wie die Navigationsgeräte, über das GPS-System zum Server senden; dazu kommt noch der Pfeil Richtung Satellit). Auch das ist falsch und verwirrt eventuell Navigationsgerätebesitzer. Ich denke eben, wenn man so ein System erklären möchte, hätte man besser recherchieren können und müssen.

Danke dir für den Link und die Möglichkeit, meine Aussagen noch etwas konkreter zu gestalten :smiley:

–jkk

Naja, ob das wirklich die Zuschauer interessiert, ob jetzt das Gerät über GPS die Daten sendet oder ob das Gerät über GPS-Satelliten Daten empfängt, womit es seine Position berechnet und die per GPRS an einen Server schickt?
Ich denke mal das ist dem Zuschauer ziemlich egal.

Du hast Recht, aber es dürfte den Zuschauern darüberhinaus dann auch vollkommen egal sein, ob da ein Server beteiligt ist. Da hätte man auf die Verdeutlichung verzichten können. Hier gings ja auch um die Qualitätsfrage bezüglich der Darstellung und nicht um Relevanz, da bewegt man sich gleich auf einer ganz anderen Ebene.