Arbeitgeber unter kirchlicher Trägerschaft

Das hab ich heute bekommen von der Personalverwaltung als Antwort auf meine Schriftliche Anfrage, weshalb ich kein Sonderurlaub bekomme, für die Beerdigung meines Bruders:

Gott scheint ein harter Knochen zu sein.

Auch schön: Der Bestatter will keinen Kontakt zur Friedhofsverwaltung aufbauen und die Asche nicht dort hin schicken, bevor wir nicht eine erste Rate bezahlt haben. Die kosten belaufen sich auf 3000 Euro

Sterben ist teuer.

Was machst du jetzt? Dass hier nicht Gnade vor Recht… ach wen wundert’s?

Achso: zu g) üblich sind 10 Kinderkrankentage pro Elternteil. Auch bei leichten Erkrankungen.

Ich werde frei machen können durch eine interne Lösung aber Skurril finde ich das alles schon. Ich hab mich erst etwas erschrocken weil ich bei Punkt d) gelesen habe “Kirchliche Erschießung eines Mitarbeiters: 1 Arbeitstag” dann dachte ich mir aber…passt ja irgendwie.

Kirchliche Erschießung gibt es auch außerhalb der Schweizer Garde? :wink:

Wow, das ist wirklich hart - und zwar jeder einzelne Punkt in dieser Tabelle, bis auf e) vielleicht :-o

Wenn man dieser Doku traut, geht es den meisten Einrichtungen gar nicht um den Glauben, sondern darum, viel Geld an den Mitarbeitern einzusparen. Dann machen diese auch keinen Ärger und können wegen Absurditäten entlassen werden. Ich möchte gewiss kein Bashing gegen Gläubige betreiben, wirklich nicht, aber das, was Eisenfaust erlebt und die meisten Aspekte dieser Doku sind definitiv zu verurteilen.

//youtu.be/rPT8X3BbCE4

Das hier ist auch so ein Ding: http://www.welt.de/newsticker/news3/article109695763/Kirche-schliesst-Vergleich-im-Rechtsstreit-mit-lesbischer-Erzieherin.html

Eine Pfarrkirchenstiftung in der Diözese Augsburg wollte die Leiterin eines Kindergartens in Neu-Ulm während der Elternzeit außerordentlich kündigen. Begründung war, dass sie mit ihrer gleichgeschlechtlichen Beziehung gegen die Grundsätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre verstößt. Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

[B]Nach Angaben des LSVD würde die katholische Kirche die Erzieherinnen weiter beschäftigen, wenn sie sich bereit erklären würden, die Lebenspartnerschaften aufzulösen und ihr Kind als Alleinerziehende großzuziehen.[/B]

Nun könnte man sagen, was arbeitet eine homosexuelle Person in einer kirchlichen Einrichtung? Aber sagt mal selbst, wieviele Kindergärten sind z.B. nicht unter einem kirchlichen Träger? Eine handvoll? Man muss ja auch sehen, wo man bleibt. Ich kenn sooo viele, die ihre Orientierung heimlich leben, weil sie sonst rausgeworfen würden. Das könnte ich gar nicht, das würde mich zermürben.

Vielleicht sollte man einen Extra-Thread aufmachen?!

Aus irgendeinem Grund haben Kirchen ja teilweise ihr eigenes Arbeitsrecht, das hat Domian schonmal angesprochen und sich echauffiert

[QUOTE=Eisenfaust;351044]
Gott scheint ein harter Knochen zu sein.[/QUOTE]

Mein Beileid nachträglich.

Die haben einfach vergessen unter c) Bruder und Schwester einzutragen, also Verwandte in direkter Erblinie, kommt ja eigentlich auf dasselbe raus.
Weil ich das Vorgehen so gar nicht glauben konnte, habe ich mir mal folgendes Dokument durchgelesen, rechtlich scheint das tatsächlich sauber;

Nach Bundesurlaubsgesetz kein gesetzlicher Anspruch

Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) sieht keinen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub vor.

Häufig finden sich jedoch in Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträgen konkretere Regelungen zum Sonderurlaubsanspruch. Sind derartige Vereinbarungen nicht getroffen worden, so kann bei einer vorübergehenden Verhinderung - wie eingangs beschrieben - gemäß § 616 BGB der Anspruch auf Entgeltfortzahlung dennoch weiter bestehen, wenn der Verhinderungsgrund sich speziell auf die Person des Arbeitnehmers bezieht

[QUOTE=KingMö;351047]Kirchliche Erschießung gibt es auch außerhalb der Schweizer Garde? ;)[/QUOTE]

Bitte keine Osterreier gegen unsere Reisläufer werfen, die machen auch nur einen Job…

Ironisch das die Kirche zu den asozialsten Arbeitgebern gehört

Schlimm ist vor allem, dass trotz dieser Fakten, die Kirchen solch einen Einfluss haben.

Selbstverständlich gibt es nur bei [B]kirchlicher[/B] Eheschließung bzw. entsprechenden Feiern des Kindes einen Tag frei. Standesamtlich kann man sich schließlich auch in der Mittagspause trauen lassen. Und Jugendweihe? Teufelszeug! Selbst wenn sich die Kinder selbstständig dafür entscheiden: Hat halt die Erziehung versagt.

@Klaus: Wofür braucht man sowas auch, wenn man den einzig wahren Glauben hat mit glitzer um sich schmeiß

(:ugly:ugly:ugly)

Um die für mich wichtigsten Punkte nochmal zu nennen:

  • kirchliche Träger sind mit die ausbeuterischsten Arbeitgeber
  • sie tragen ca. 0-5% der Kosten
  • haben aber trotzdem ihr [-]nein pfui böse[/-] vordemokratisches Arbeitsrecht, womit sie dann zB geschiedene Ärzte oder Kopftuch-tragende Putzfrauen feuern können
  • und sie können natürlich unwillkommene ‘Kunden’ (wie vergewaltigte Frauen) abweisen

Mal abgesehen davon, dass mir nicht im geringsten einfällt warum ich Bischöfe oder konfesssionell gebundenen Reli-Unterricht bezahlen sollte…

Sabotage/leaking von Interna sind natürlich keine Lösung… :twisted:

@Eisenfaust: Gut, dass da zumindest eine interne Regelung möglich ist. Alles Gute & viel Kraft weiterhin.

[QUOTE=Rabasch;351087]- sie tragen ca. 0-5% der Kosten[/QUOTE]

Irgendwelche Quellen? Mein Link sagte zumindest mehr als 5%.

@ menag

[I]Bei Altenheimen und Krankenhäusern trägt der Träger Kirche [B]nichts[/B]. Bei Kitas ist das unterschiedlich. Im Schnitt trägt die Kirche fünf Prozent der Kosten, die öffentliche Hand 95 Prozent[/I]
(Hervorhebung von mir)

http://www1.wdr.de/fernsehen/aks/themen/kirchlichetraegerschaft102.html

Ein großer Schandfleck für Deutschland und hängt erheblich damit zusammen, dass viele deutsche Staatsbürger
es für eine gute Idee halten die CDU zu wählen.

PS: Der Schnitt offenbart, dass die ganze Doku ziemlich tendenziös gemacht wurde. Schade.
Beispiel: 10:15:
“Welches Gebot findest du denn eigentlich am wichtigsten” -> 3 Kinder nennen hauptsächlich Gebote welche sich direkt auf Gott beziehen.

[QUOTE=andy01q;351116]Ein großer Schandfleck für Deutschland und hängt erheblich damit zusammen, dass viele deutsche Staatsbürger
es für eine gute Idee halten die CDU zu wählen[/QUOTE]

Moment nur weil da ein C im Namen steht heißt das noch lange nicht das es damit zutun hat… Wenn dann liegt das an der CSU

[QUOTE=Greggy;351111]Bei Altenheimen und Krankenhäusern trägt der Träger Kirche nichts. [/QUOTE]

Träger die nicht tragen sind doch keine Träger

[QUOTE=ExtraKlaus;351127]
Träger die nicht tragen sind doch keine Träger[/QUOTE]
Das sind entlastete Träger, ansonsten könnte man sich keine Prunkbauten mehr leisten. Da sowas absolut unakzeptabel ist hat man sich entschlossen die Kirchen als Träger nur minimal zu belasten und das Geld für den Wohlstand der obersten Amts und Würdenträger auszugeben.
Alles andere hat sich diesen bedingungslos unterzuordnen, da die Zukunft nichts verbessert und diese Menschen jetzt gut leben wollen.

Ich hab heute bei der MAV nachgefragt wie diese Regelung zustande gekommen ist und was der Gedanke dahinter war. Dafür hab ich mit dem Menschen Kontakt aufgenommen der damals den Tarifvertrag mit der Caritas ausgehandelt hat. Ich hab ihn meine Situation erklärt und das mein Bruder verstorben ist. Als Antwort habe ich folgendes bekommen:

“die Antwort ist ganz einfach zu verstehen: Sie haben einen Arbeitsvertrag unterschrieben,
in dem es für diesen Tatbestand keine Regelungen gibt und Sie haben dies
auch nicht als zusätzliche Nebenabrede vereinbart.”

Da mir das nicht gereicht hat, hab ich nochmal nachgefragt.

“Hintergrund dieser Regelung ist, dass nur Verwandte ersten Grades sowie der
Ehegatte Berücksichtigung finden sollen. Geschwister sind Verwandte zweiten
Grades.”

Tatsächlich ist das richtig. Geschwister sind Verwandtschaft 2. Grades.

Dennoch möchte ich mich über einige Punkte beklagen: Die Art und Weise wie mir das mitgeteilt wurde - Der Sachverhalt an sich.

Auch viele Beamte bekommen kein Sonderurlaub bei Geschwistern die sterben. Das finde ich sehr problematisch. Niemand kann sagen, dass bei einem Bruder oder einer Schwester die Beerdigung weniger wichtig ist als bei den Eltern. Ich habe meinen Bruder geliebt und obwohl ich meinen Vater 2008 beerdigen musste, sind die seelischen Auswirkungen sehr viel härter.

Ich denke man sollte Geschwister aus dem 2. Verwandtschaftsgrad in den ersten befördern. Die Definition aus dem BGB ist unzureichend und realitätsfremd. Meiner Meinung nach eine Willkürliche, theoretische Gruppierung.

Zu kirchlichen Träger muss ich noch anmerken, dass es viel Schlimmer ist, dass folgende Gruppen einfach gekündigt werden können aus ideologischen Gründen:

Wiederverheiratete
Aus der Kirche ausgetretene
Schwule und Lesben
Wenn man öffentlich die Kirche in Frage stellt (also hierfür könnte ich entlassen werden)
Wenn man im Playboy war

Das sind keine abstrakte, theoretische Fälle! Bei uns wurde aus diesen Gründen Mitarbeiter entlassen.

Desweiteren ist die MAV (sowas wie eine Gewerkschaft) Eine Alibi Organisation der kirchlichen Trägergesellschaft.

Dann möchte ich nochmal klar stellen, dass ich mich den Christentum verbunden fühle aber die Katholische Kirche hat nichts mit Christus zu tun. Sie haben Das Christentum für alle Madig gemacht weil sie sich Jahrhunderte benehmen wie der Anti-Christ. Niemand kann ernsthaft das Christentum gut heißen auf Grund der Handlungen der Katholischen Kirche. Wenn man sich aber ansieht, wie der ursprüngliche Geist der frühen Christen war und insbesondere sich die Darstellung von Jesus in der Bibel ansieht, kann man dennoch Christ sein.

In der Bibel wird ein Konzept beschrieben was Gerechter Zorn genannt wird. Wie Jesus damals die Händler aus dem Palast Gottes gepeitscht hat… das war Gerechter Zorn. Ich habe einen tief verankerten Gerechten Zorn gegen diese heuchlerische Bande von Schlechtern .

Man sollte das Christentum nicht daran messen, was die Katholische Kirche macht. Sie ist nicht Gottes Organisation. Viel mehr eine satanische, heidnische Sekte.

Wann findet die Beisetzung eigentlich statt?

Die Ansage ist unter aller Sau. Klar, dass man sich da auf den Arbeitsvertrag beruft, aber das hätte man in nettere Worte packen können: “Tut uns sehr leid… für Sie sehr schlimm… bedauern es sehr… bla bla bla.” Stattdessen klingen die Worte, die du zitierst wie: “Tja, Pech gehabt!”

Ich komme immer noch nicht klar, dass es nur zwei Tage bei Verwandten ersten Grades gibt. Man möge sich vorstellen, dass das eigene Kind stirbt, was m.E. das Schlimmste ist, was einem passieren kann (womit ich andere Todesfälle nicht kleinreden möchte!). Dann gibt es zwei Tage: Einen so und den anderen für die Bestattung. Man kann ja Urlaub nehmen, nicht wahr, ansonsten: "Man sieht sich in zwei Tagen, feiern Sie schön!"
Als meine Schwester starb, wurde der Vater von der Arbeit freigestellt. “Kommen Sie wieder, wenn sie es wieder können.” Ein paar Wochen später saß er wieder an seinem Platz. Aber eben nicht nach zwei Tagen. Ich weiß aber nicht mehr, wie es mit der Bezahlung aussah, sicher hat man sich da irgendwie geeinigt.

Und mit vier Krankentagen pro Kind kommt man nicht weit. Mal angenommen, der/die Partner/in arbeitet auch im Frömmelsektor und hat auch nur vier Tage. Wie soll das gehen? Das sind nicht einmal zwei Wochen! Wer ein Kind hat, weiß wie lange die Mäuse gern mal krank sind. Achso, in den Kreisen erwartet man ja die klassische Hausfrau-Ernährer-Konstellation. Verstehe.

Und “Niederkunft der Ehefrau”… Bei Freundin: Pech gehabt! Und überhaupt: Einen Tag! Kann sich ja die Schwiegermama um die frische Mutter kümmern… Ihr seht schon, man kann zu fast jedem dieser Punkte einen Roman schreiben.

Du willst deine Ruhe haben, verständlich, aber: Mich würde mal interessieren, wie man reagieren würde, wenn du sagtest: “Ich werde Papa und möchte gern direkt nach der Geburt zeitgleich mit meiner Freundin (!) drei, vier Monate Elternzeit nehmen.”