Antwort auf RTL

Diskussion über den Blog-Artikel: Antwort auf RTL

Diverse Zuschauer haben in den vergangenen Tagen eine Anfrage an RTL bzw. an die Produktionsfirma Tresor geschickt und um eine Stellungnahme bezüglich meines Berichtes im Zusammenhang mit der Sendung “Die Super Nanny” in Folge 77 gebeten. Die RTL-Pressestelle hat dabei eine standardmäßige Stellungnahme verschickt, auf die ich hiermit reagieren möchte (das Fettgedruckte ist Original-Zitat RTL):

Wir haben mit Erstaunen und Verwunderung den Videobeitrag von Herrn Kreymeier auf www.fernsehkritik.tv zur Kenntnis genommen. Herr Kreymeier, der ja gerade eine juristische Niederlage gegen RTL erlitten hat, zeigt unfreiwillig in diesem „Beitrag“, wie wichtig es ist, immer auch die Gegenseite anzuhören, wenn man unerhörte Vorwürfe in die Öffentlichkeit trägt.

Zunächst einmal wird mit der “juristischen Niederlage” (die gar keine ist, denn eine Einstweilige Verfügung ergeht ja, wie der Name schon sagt, nur einstweilen) suggeriert, das Ganze habe mit dem Bericht über die “Super Nanny” zu tun. In Wahrheit geht es ja ausschließlich um das “Scheiß RTL T-Shirt”. Ansonsten ist der Hinweis auf das Anhören der Gegenseite grundsätzlich gerechtfertigt - allerdings warte ich beim Thema “Christopher Posch” bis heute auf eine Beantwortung meines Fragenkatalogs. Eine Pressestelle, die nur dann Antwort gibt, wenn sie eine gescheite Antwort hat, kann ich nicht ernstnehmen. Außerdem wollte ich auch verhindern, dass die Familie bereits im Vorwege eines Releases von Folge 77 möglicherweise unter Druck gesetzt würde - deswegen hielt ich den Kontakt zu ihr lieber bis zuletzt geheim.

Dies ist einer der wichtigsten journalistischen Standards überhaupt, gegen den Herr Kreymeier nicht zum ersten Mal verstößt.

Interessant. Da wüsste ich gern mal, wann das noch der Fall gewesen sein soll. Und gegen welche journalistischen Standards RTL verstößt, muss ich hier wohl gar nicht erwähnen…

RTL und Tresor TV, die die Sendung „Die Super Nanny“ produziert, weisen die Vorwürfe von Herrn Kreymeier und der Protagonisten aus der Sendung aus dem Jahr 2008 zurück und verwahren sich gegen den Verdacht, für den Tod des Hundes der Familie verantwortlich zu sein.

Das ist das gute Recht von RTL und Tresor TV - und aus deren Sicht kann es dazu auch keine Alternative geben. Ich weise aber nochmals daraufhin, dass ich betont habe, dass es lediglich den Verdacht gibt.

[b]Wie nachlässig die „Recherchen“ von Herrn Kreymeier sind, können wir gerne im einzelnen darlegen:

  1. Es wird behauptet, die Dreharbeiten hätten 14 Tage gedauert und Katia Saalfrank hätte sich nur an rund vier Tagen “blicken lassen”.
    Diese Behauptung ist falsch. Der Dreh im Februar/März 2008 dauerte insgesamt rund 8 1/2 Tage. Katia Saalfrank war davon an sechs Tagen anwesend. Der 9. Tag wurde lediglich zum Abbau genutzt.[/b]

Hier steht es Aussage gegen Aussage. Ich habe inzwischen aber Kontakt zu einer weiteren Familie, die es ähnlich erlebt hat. Interessant übrigens, dass dann sogar innerhalb von 8 Tagen ein gesunder Hund plötzlich und unerwartet verstorben sein soll. Zufälle gibt’s…

2. Jennifer H. behauptet, sie und ihr Bruder seien von Katia Saalfrank aufgefordert wurden, sich zu prügeln. In diesem Zusammenhang behauptet Roswitha B., es gäbe genaue Drehbücher mit vorgefassten Texten sowie Regieanweisungen, die sie hätten befolgen müssen.
Diese Behauptung ist auf ganzer Linie falsch. Die Dreharbeiten bilden die realen Zustände in den Familien ab. Es gibt weder Drehbücher, noch Regieanweisungen. Weder das Drehteam noch Katia Saalfrank fordert die Familien auf, sich vorsätzlich zu schlagen.

Da ich die Sache mit den Regieanweisungen inzwischen von diversen Betroffenen (auch anderer Dokusoaps wie “Frauentausch” oder “Einsatz in vier Wänden”) gehört habe, kann ich nur sagen, dass es reichlich dreist ist, dies in so deutlicher Form (“auf ganzer Linie falsch”) zurückzuweisen. Aber auch hier gibt es im konkreten Fall natürlich keine Beweise. Ich habe jedoch keinen Anlass (aufgrund meiner Recherchen zu vielen ähnlichen Vorgängen in anderen Sendungen), daran zu zweifeln.

3. Roswitha B. behauptet die Familienmitglieder seien lediglich “Darsteller” gewesen. Jennifer H. behauptet, die Familie wollte nur wegen ihrer Schulprobleme mitmachen. Diese Behauptung ist falsch. Roswitha B. bewarb sich schriftlich am 4. Januar 2008 bei der Redaktion “Die Super Nanny”. Dort schrieb sie von den Schulproblemen ihrer Tochter. Außerdem hätte sie einen falschen Umgang, wäre einmal betrunken nach Hause gekommen, würde klauen und lügen.

Selbst wenn das so stimmen sollte, rechtfertigt das ja nicht das Vorgehen des Kamerateams vor Ort. Hier werden zweierlei Dinge vermischt.

4. Dass das Sozialamt bzw. die Arbeitsagentur Einnahmen (wie zum Beispiel aus der Teilnahme an einer Fernsehproduktion) auf die Sozialleistungen anrechnet ist richtig. Über diesem Umstand werden die Familien aber vorher informiert. Eventuelle Schäden, die bei den Dreharbeiten entstehen, werden von uns ersetzt. Dazu müssen diese Schäden aber an uns gemeldet werden.

Familie H. betont, dass sie dies getan habe - sogar mehrmals. Zum Thema Strom und Wasser (der entscheidende Kostenfaktor) äußert sich die Pressestelle hier bemerkenswerterweise nicht.

5. Holger Kreymeier stellte den Tod des Hundes Luna so dar, als wäre es durchaus im Bereich des Möglichen, dass das Kamerateam den Tod vorsätzlich herbeigeführt hätte. Diese Behauptung ist ungeheuerlich und wird in ganzer Linie zurückgewiesen.

Verständlicherweise und aus RTL-Sicht nachvollziehbar. Aber woher weiß denn die RTL-Pressestelle es so genau? Von denen war ja niemand dabei. Letztendlich können die sich auch nur auf das verlassen, was das Kamerateam ihnen sagt. Und dort wird man sich hüten, irgendwas in der Richtung einzuräumen. Aber noch einmal: Es gibt nur einen Verdacht - und dies ist im Beitrag auch klar betont worden. Im Übrigen geht man gar nicht auf das (ja wohl zweifelsfreie) Verhalten des Kamerateams im Zusammenhang mit dem Tod der Hündin ein: wie die Todesnachricht an Jennifer geradezu inszeniert wurde, wie man der Familie keine Möglichkeit gab, den Schock über Lunas Tod wenigstens erstmal zu verarbeiten etc.

6. Holger Kreymeier behauptet, dass Team der Super Nanny hätte “irgendwie davon Wind bekommen”, dass Jennifer H. etwa ein Jahr nach dem Dreh Mutter wurde. Diese Formulierung ist despektierlich und irreführend. Dazu ist festzustellen, dass die Redaktion nicht “irgendwie Wind” von den Zuständen in den Familien nach Dreh bekommt. Die Familien werden von einer Psychologin und der Redaktion nachbetreut. Man bleibt stets in losem, telefonischen Kontakt. Dies war auch mit Familie H. der Fall.

Dies stellt Familie H. anders dar. Es habe lediglich einen einzigen Pflichtbesuch einer Psychologin kurz nach dem Dreh gegeben. Die Frau habe aber im Grunde nur kurz nachgefragt, wie die Lage ist, und sei dann wieder gegangen. Weiteren Kontakt habe es nicht gegeben - auch nicht telefonisch.

7. Holger Kreymeier behauptet, die Familie wurde zum Dreh der zweiten “Sondersendung” (Anm. d. Red.: Recap, gedreht im Juli 2009) gezwungen, indem auf den bereits 2008 unterschriebenen Vertrag verwiesen wurde. Weiterhin wird behauptet, dass wenn die Familie sich weigern würde am Recap-Dreh teilzunehmen, eine hohe Geldstrafe fällig wäre. Diese Behauptung ist falsch! Die Familie unterschrieb für den Dreh des Recaps einen neuen Vertrag! Die Teilnahme am Recap ist freiwillig. Alle Familienmitglieder müssen damit einverstanden sein, was auch bei Familie H. der Fall war. Im Übrigen werden die Familien im Vorfeld darüber aufgeklärt, dass in der Recap-Folge auch Szenen aus der ersten Sendung gezeigt werden.

Richtig ist, dass die Familie auch für den zweiten Dreh etwas unterschreiben musste - dies war aber kein so ausführlicher Vertrag wie beim ersten Dreh, sondern eher (so wurde es zumindest der Familie eingeredet) etwas Versicherungstechnisches. Die Familie bleibt bei ihrer Aussage, dass ihnen der zweite Dreh aufgezwungen wurde mit der Begründung, bei Weigerung würde eine Geldstrafe fällig.

Ich kann nur noch einmal betonen, dass ich mit Jennifer und Roswitha telefonische Vorgespräche geführt hatte und ihnen hart auf den Zahn fühlte. Mein Eindruck war, dass mir ehrlich und authentisch geantwortet wurde. Welchen Grund sollte die Familie auch haben, mir einen Bären aufzubinden? Da eine nach wie vor existente Angst vor RTL und Tresor TV vorherrschte, wäre es aus Sicht der Familie ein merkwürdiges Verhalten gewesen, mit Lügengeschichten RTL noch unnötig obendrein zu provozieren und eine Klage zu riskieren.

Mehrfach kam übrigens die Frage auf, ob Hündin Luna tatsächlich (wie von Roswitha erwähnt) begraben wurde, da das bei Hunden zumeist ja nicht der Fall ist. Laut Jennifer wurde Luna auf dem Grundstück einer Freundin der Familie begraben und hat dort heute ein kleines Grab, welches von Jennifer regelmäßig besucht wird.

Bitte im bereits vorhandenen Thread weiter diskutieren - danke: viewtopic.php?f=8&t=9282&start=495