Anne Will vom 19.10.2011 (Mobbing im Internet)

Hallo zusammen!

Ich habe gestern den Film “Homevideo” im Ersten gesehen und war doch recht angetan. Offenbar ist dieses Thema (Cybermobbing an Schulen) immernoch nicht richtig in der Bevölkerung - vor allem nicht bei Eltern und Lehrern - angekommen. Dieser Film hat vielleicht an einigen Stellen stark dramatisiert, aber das war sicher nicht verkehrt. Ein gewisser Schockeffekt muss hier einfach sein, weil vielen die dramatischen Konsequenzen für das Opfer nicht klar zu sein scheinen und so etwas gerne als dummer Streich abgetan wird.

Von daher fand ich es auch sehr gut, dass danach noch im Rahmen von Anne Will darüber ausführlich diskutiert wurde. Auch die Gästeauswahl war diesmal überraschend gut… Bis auf eine Ausnahme. Wer kam denn bitte in der Anne Will Redaktion auf die behämmerte Idee ausgerechnet Lisa Loch als Beispiel für ein Cybermobbing Opfer einzuladen?

Natürlich war Stefan Raab’s Verhalten in dieser Sache unter aller Sau und sollte auch nicht verharmlost werden. Auf der anderen Sache sollte doch langsam bekannt sein, dass die gute Frau Loch in der Vergangenheit das Ereignis immer wieder genutzt hat um ihre eigene Popularität zu erhöhen und - neben den vor Gericht erstrittenen 70000 EUR - persönliche Vorteile aus ihrer Geschichte zu ziehen. Solchen Personen muss man ja wohl nicht noch in einer so ernsten Diskussionsrunde eine Plattform zur Selbstdarstellung bieten.

Sorry, aber für andere Opfer, wie die Mutter, deren Sohn sich tatsächlich wegen massiven Mobbings im Internet das Leben genommen hat, muss sich das doch wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.

In diesem Sinne - ich bin immer wieder erstaunt wie wenig Fingerspitzengefühl selbst in den Redaktionen renommierter und vermeintlich seriöser Fernsehproduktionen vorhanden zu sein scheint.

Ich fand die Diskussion auch sehr angenehm. Als Mobbingopfer des ausgehenden Jahrtausends kann ich wirklich froh sein, dass es damals derlei technische Möglichkeiten nur äußerst eingeschränkt gab. Bis auf eine gehackte Beepworld-Homepage habe ich keine solchen Erfahrungen gemacht. :ugly Im ernst, Handycams u.ä. müssen wirklich die Hölle sein, da sich in den pubertätsverseuchten Klassen der Mittelstufe Sadisten tummeln, deren Motive für mich immer verschlossen bleiben werden.

Lisa Lochs Einladung ist auch deswegen verfehlt, weil sie kein Cybermobbingopfer ist, sondern das Fernsehen hier den treibenden Part einnimmt. Und derlei Fälle sind so alt wie die Unterhaltungsmedien selbst.

Lisa Lochs Einladung ist auch deswegen verfehlt, weil sie kein Cybermobbingopfer ist, sondern das Fernsehen hier den treibenden Part einnimmt. Und derlei Fälle sind so alt wie die Unterhaltungsmedien selbst.

Richtig, diesen Punkt hatte ich noch vergessen zu erwähnen.

Einen ähnlichen Gedankengang zum thema Mobbing und Internet hatte ich während des Films auch. Gerade in meiner frühen Schulzeit hatte ich es da auch nicht einfach und bin ebenfalls recht froh - obwohl ich beruflich im Internetbereich tätig bin - dass es zur damaligen Zeit eben weder Internet noch Fotohandys gab.

Wieso empört und wundert man sich so über Cybermobbing?! Das ist doch die selbstverständliche Konsequenz, wenn man Pöbel und Gesocks mit einem Massenmedium ausstattet, welches sich praktisch der Kontrolle der Staatsorgane entzieht.
Ich hätte eine nüchtern-sachliche Diskussionsrunde ohne Opfer und Betroffene vorgezogen, weil der Vorfilm zum Zwecke der Emotionalisierung erstmal ausgereicht hat.
Entweder: Mehr Konstruktives und Konkretes darüber, wie der Rechtsstaat das WWW domestizieren und erobern könnte.
Oder: Mehr Pädagogie, Psychologie, Soziologie.

Ansonsten: Diese Werther-effekt Sorge nervt. Ich hätte gerne gewußt, wie sich der Junge das Leben genommen hat. Habs dann ergoogelt.
Auf “Bild” ist verlass in der Hinsicht. :ugly

Ich frage mich in diesem Zusammenhang wieso man immer so explizit auf das Cybermobbing eingeht, ohne mal das ganze Thema außerhalb des Internets zu betrachten.

Natürlich vereinfacht das Internet die ganze Sache, da jeder Anonym schreiben kann was er will, aber gleichzeitig habe ich im Internet doch auch die Möglichkeit das ganze besser zu Umgehen als im realen Leben. Dort beginnt das Mobbing nämlich und ist, meines erachtens nach, wesentlich schwerwiegender als online. Falls es jemanden in der Schule oder am Arbeitsplatz trifft so ist es eigentlich so gut wie unmöglich das ganze zu umgehen und da man dabei selbst noch im Mittelpunkt steht trifft es einen doch wesentlich härter als im Internet.

Ich muss zugeben, dass ich diese Show explizit nicht gesehen habe, aber andere Sendungen zu diesem Thema in welchen immer und wieder nur der Ansatz gebracht wurde man müsste das Internet dahingehend durch Gesetze regulieren. Ich bin auch dafür, dass man Cybermobbing 1. bestrafen sollte und 2. man die Möglichkeit haben sollte z.B. Kommentare bei Facebook und dergleichen nach Prüfung löschen lassen zu können. Trotzdem ist das alles immer nur eine Symptombehandlung. Viel wichtiger ist es im ECHTEN Leben Kinder und Jugendliche über die Konsequenzen von Mobbing aufzuklären, damit es gar nicht erst ins Netz getragen wird.

Wieso also wird diese Diskussion immer und immer wieder so explizit auf das Internet bezogen?

Wieso also wird diese Diskussion immer und immer wieder so explizit auf das Internet bezogen?
Dann müsste man sich ja wirklich mit dem Thema befassen. Ansonsten ist das Problem so alt wie der Mensch, nur das Medium ändert sich ständig.

Viel wichtiger ist es im ECHTEN Leben Kinder und Jugendliche über die Konsequenzen von Mobbing aufzuklären, damit es gar nicht erst ins Netz getragen wird.
Das ist doch kein Problem von Kindern und Jugendlichen, sondern von allen Altersschichten. Ich wette selbst in Altenheimen wird untereinander gemobbt. Und damit ist die Beendigung von Mobbing absolut utopisch. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Viel mehr außer Symptombehandlung wird da m.E. überhaupt nicht möglich sein.

Du hast natürlich Recht, dass Mobbing ein Problem aller Altersklassen ist. Es entsteht nur immer der Eindruck (ob er richtig ist, oder falsch kann ich nicht sagen), dass es gerade unter jungen Menschen vermehrt vorkommt.
Der ein oder andere Mobber reift ja doch nochmal irgendwann…

Dass die Beendigung allen Mobbings utopisch ist steht außer Frage, der Mensch wird niemals perfekt sein. Trotzdem sollte die Symptombehandlung nur ein Teil der Vorgehensweise sein. Ich bin immer noch der Meinung, dass man die Ursachen zumindest soweit es geht bekämpfen sollte und damit zumindest die Zahl der Fälle minimiert.

Mich regt es nur einfach auf, dass man es in letzter Zeit so darstellt, als wäre das Mobbing ein reines Phänomen des Internets. Aber wie du gesagt hast: Ansonsten müsste man sich ja wirklich mit dem Thema befassen. Vorschlag XY zur Bekämpfung des “Internetphänomens” Mobbing durch Maßnahme “Sperrung von sonstwas” ist eben schnell formuliert und klingt immer nach “Schaut her, wir tun was!”.

Es entsteht nur immer der Eindruck (ob er richtig ist, oder falsch kann ich nicht sagen), dass es gerade unter jungen Menschen vermehrt vorkommt.
[Standardspruch der Griechen dass deren Jugend total verdorben war] Auch kein Problem der heutigen Zeit :wink:

Irgendwie muss ich bei dem Thema an “Chatroom” denken. Leicht psychedelisch und merkwürdiges Ende, aber schon nett zu gucken.
Trotzdem muten ja Spielfilme über das gruselig-fremde Internetz meist eher merkwürdig, clichébelastet und erschreckend an… Ob ich Homevideo nachträglich sehen will, weiß ich nicht o.o"

An sich finde ich aber die Kombination von Film, evtl. noch ne ordentliche Doku, und dann Gesprächsrunde eine prima Sache. Auf 3sat und arte funktioniert das ja immer mal wieder echt fein. :smt023

Nur so aus Neugierde, wer ist Lisa Loch?

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,284903,00.html
Auch lesen:
http://www.netzeitung.de/medien/205272.html

http://www.focus.de/panorama/boulevard/ … 54368.html

Zusätzlich hat sie noch eie Gastrolle in dem Film „What a man“.

Die Zeit damals war so schlimm für sie, das sie am liebsten den ganzen Tag darüber im Fernsehen redet. Zusätzlich sorgt sie mit einem Buch dafür das sich möglichst viele Menschen an einen Witz erinnern den ansonsten 99,7% aller Zuschauer mittlerweile vergessen hätten.