Anke S. und das Menschenbild

Diskussion über den Blog-Artikel: Anke S. und das Menschenbild

RTL-Chefin Anke Schäferkordt hat Zeit Online ein bemerkenswertes Interview gegeben. Es ist ein wunderbarer Beleg dafür, wie knallhart und respektlos diese Frau gegenüber der Zuschauerschaft ist. Sie selbst bestreitet dies natürlich und behauptet sogar: “Wir interessieren uns für unsere Zuschauer und nehmen sie ernst.” Natürlich! Die Frage, ob RTL mit gewalttätigen Dokusoaps und Scripted Realitys nicht niedere Instinkte anspricht, beantwortet sie auf clevere Weise: “Sie glauben doch nicht, dass ein Format in Menschen Instinkte produziert, die vorher nicht da waren.” Dass es aber ebenso verwerflich ist, auch bereits vorhandene Instinkte herauszukitzeln, das sagt sie nicht. Sie geht sogar soweit, den Interviewern der Zeit zu unterstellen, dass diese ja auch Instinkte (“gehobenere Instinkte”) ansprechen. Dies mag sogar stimmen - ist aber ein unverschämter Vergleich. RTL wolle ein Programm machen, wo der Zuschauer mal “loslassen” könne vom Alltag. Vielleicht hätte sie lieber “ablassen” sagen sollen - also ablassen von Gewalt und Wut. Wenn es darum geht, öffentliche Demütigungen von Menschen nicht nur zu zeigen, sondern sie auch selbst zu betreiben, lautet Schäferkordts Standardantwort: “Es gibt bestimmte Dinge, die nicht mein persönlicher Geschmack sind.” Auch schlau: Sie will selbst nicht in den Ruf kommen, sich sowas anzuschauen, schiebt aber zugleich auch die Verantwortung von sich. “Wir zeigen Geschichten aus dem Alltag, die so oder so ähnlich stattgefunden haben oder stattfinden könnten.” Wessen Alltag sie damit meint, verschweigt die RTL-Chefin. Den des typischen RTL-Zuschauers? Auf die Frage, ob sie selbst denn auch ein Kamerateam in ihr Heim lassen würde, antwortet sie übrigens: “Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Homestory gemacht.” Interessantes Statement einer Frau, deren Sender erwartet, dass ganz Deutschland seine Türen öffnet - und seine Abgründe gleich mit.

Ja und weiter? Was ist so schlimm dran, wenn man nicht den ganzen Tag hochqualifiziertes Wissensfernsehen zeigt, sondern eben irgendwelche Soaps a la GZSZ oder auch Scripted Realitys? GZSZ läuft seit 1992 und ist damit noch heute sehr erfolgreich. Ich finde auch das “Menschenbild” von Frau Schäferkordt nicht verwerflich, denn irgendwie hat sie ja recht. Oder wollen wir für alles böse und schlechte RTL verantwortlich machen? Man scheint bei RTL was grundlegendes richtig zu machen, sonst wäre man kein Marktführer. Und von RTL können andere Sender (privat wie ÖR) viel lernen! Zugegeben… man sollte sich nicht den ganzen Tag “vors RTL” setzen, aber das aus diesem doch interessanten Interview hier ein Bild zu zeichnen, welches einfach nicht wahr ist ist einfach BILLIG. Und grade von Ihnen, werter Herr Kreymeier hätte ich da bisschen weniger “Hau-Drauf” erwartet!

Du solltest mal erleben, wenn ich wirklich draufhaue - ich fand mich noch ausgesprochen freundlich :mrgreen:

Schön, hier auch U-Boote von RTL zu begrüßen :wink:

Also mal wirklich Herr Gast. Und auch noch so schnell ein U-Boot hier unfassbar. Herr Kreymeyer hat mit seinen Ausführungen vollkommen recht!!!

Es ist wirklich erbärmlich, dass wenn man ein bißschen Kritik schreibt diese Gutmenschen kommen und einem vorwerfen dass sei alles nicht so!!! Einfach widerlich!!! Es ist genauso, jeder kann es sehen jeder kann es nachprüfen. Die Aussagen der Frau PASSEN EINFACH PERFEKT IN DAS GESAMTBILD von RTL. Wieso sollte also der Fernsehkritiker dies nicht mal aufdecken, aufzeigen , kritisieren dürfen???

RTL wolle ein Programm machen, wo der Zuschauer mal “loslassen” könne…

Das gelingt ihnen bei mir regelmäßig.
Immer wenn ich RTL sehe lasse ich spontan mein Mittagessen wieder los. :mrgreen:

Aber die allgemeine, menschenverachtende Haltung bei RTL ist auch nicht wirklich neu.
Es scheint vielmehr ein Hauptbestandteil ihres Programmkonzepts zu sein.

Die Reaktion von Frau Schäferkordt war irgendwie vorhersehbar. :wink:
@Holger: Volle Zustimmung.

Oha.
Ein Mitarbeiter von RTL…hier im forum?
Ich glaube das könnte spannend werden.
Gleich mal Bier und Nüsschen holen geh. :mrgreen:

Vielleicht ist es die gute Frau Schäferkordt ja auch selber… :mrgreen:

Tja, während Mitarbeiter vom NDR hier offen zu ihren arbeitgeber stehen, sind RTL-Mitarbeiter wohl ziemlich… naja, nicht gerade selbstbewusst. :mrgreen:

Zum Thema: Das ist ja nix Neues, dass die Fernsehmacher ihr eigenes Programm gruselig finden und sich selbst davon distanzieren. Denen gehs ja nur darum Kohle zu scheffeln und nebenbei noch das Meinungsbildd er Bevölkerung zu lenken…

Und von RTL können andere Sender (privat wie ÖR) viel lernen!

z.B. wie man für die Quote jegliche Form von Anstand über Bord wirft. :smiley:

Dass in diesem Thread literweise Geifer fließt, war ja zu erwarten. Steht schon im anderen Thread: Die Definition von “Anstand” wird nicht normativ verordnet, sondern entsteht im subjektiven Empfinden eines jeden selbst.

RTL ist das McDonalds des Fernsehens: Buntes Fast Food (-> beinahe was zu Essen, höhö!) ohne intellektuellen Nährwert. Deshalb aber noch lange nicht ohne Existenzberechtigung.
Hin und wieder mal 'nen schmackhaften Pappburger reinwürgen, kann für den Gemütshaushalt sehr befriedigend sein und schadet dem Organismus nicht. Erst der längerfristige, tägliche Verzehr führt zu Komplikationen.

Macht Euch mal locker! Lieber Wer wird Millionär und Dschungelcamp als Degeto-Schrott und Volksmusik. :2 cents:

Es ist jetzt übrigens durchgedrungen, dass RTL einen neuen Werbejingle einführen will. Verhandlungen mit Depeche Mode sind abgeschlossen.

Anstelle “mein RTL” wird nun am Anfang jedes Werbeblockes und im Rahmen von Programmankündigungen auf Grundlage eines bekannten Liedes folgende Zeile gesungen:

“Let me show you script shit to your hooooome!” (Original http://www.youtube.com/watch?v=RrnzwVyH0hA )

Aber mal im Ernst, das Marktführer-Argument unseres Forengastes fußt ja auf der Annahme, Quote sei ein Hinweis für gutes Programm. Millionen Fliegen können nicht irren. Absurd.

Tja, wenns danach gänge wären die Charts voll von niveauvoller, handgemachter und ehrlicher Musik… :roll:

Die Definition von „Anstand“ wird nicht normativ verordnet, sondern entsteht im subjektiven Empfinden eines jeden selbst.

Schon richtig, aber Anstand entsteht auch im kollektiven Empfinden einer Gesellschaft. So gibt es durchaus eine in der Gesellschaft vorhandene Vorstellung von Sitte und Anstand (NOCH). Auch wenn die Grenzen nicht sonderlich scharf gezeichnet sind.

Lieber Wer wird Millionär und Dschungelcamp als Degeto-Schrott und Volksmusik. :2 cents:

Lieber nichts von Alledem … bis auf „Wer wird Millionär“ vielleicht. :wink:

Vor allem nichts in HD+ mit all seinen Einschränkungen und senden von kostenpflichtiger Werbung, die hin und wieder durch „Inhalte“ unterbrochen wird…

Man scheint bei RTL was grundlegendes richtig zu machen, sonst wäre man kein Marktführer. Und von RTL können andere Sender (privat wie ÖR) viel lernen! Z


Leute, fresst Scheiße,… …denn Millionen von Fliegen können sich nicht irren

Leute, fresst Scheiße,…

Diese Ansicht ist um Längen zuschauerverachtender als Schäferkordts Einlassungen. Durch solche Pauschalhybris wird das RTL-Publikum als amorphe Hirnlosmasse denunziert.

Die Zeit-Interviewer geben sich immerhin Mühe zur Differenzierung und bekritteln konkret die Fragwürdigkeiten im Programm. Viele, die hier das Beinchen heben, kühlen lediglich ihr Mütchen am Feindbild RTL. Pars pro toto wird der tägliche Asozialenstadl am Nachmittag herausgegriffen, als ob es auf dem Sender keine anderen Formate gäbe.

Sind quotenstarke Programmelemente wie Formel 1 und Dr. House automatisch Bäh-TV, weil sie beim RTL laufen?

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Darf man RTL nicht als Bäh-TV bezeichnen, weil dort auch gute Sendungen wie “Dr.House” und “Wer wird Millionär?” laufen?
Warum soll ich “Mitten im Leben” relativieren, weil auch Günther Jauch bei RTL ist? Die Logik erschließt sich mir nicht.

Das Schlüsselwort heißt Differenzierung. Pauschaldissing und Publikumsbeschimpfung helfen nicht weiter.

Im Namen des Volkes! Der Angeklagte RTL, wohnhaft in Köln, erhält für fortgesetzte Verbrechen gegen den Menschenverstand, namentlich “Mitten im Leben”, “Schulermittler”, sowie weitere, fünfzig Knüppelhiebe auf die Zwölf. Die Beschäftigung von Günther Jauch wirkt sich dabei im Gesamturteil strafmildernd aus. Die Chancen auf Resozialisierung werden als gering eingeschätzt.

Im Interview ging es ja ganz konkret um Scripted Reality und Dokusoaps - und da muss ich nix differenzieren, das finde ich aus voller Überzeugung bescheuert!