Absurder Empörungs-Journalismus

Kulturzeit hat aus aktuellem Anlaß die provokanten Nazi-Vergleiche der letzten Dekaden aufgelistet.

http://www.3sat.de/page/?source=/kultur … /index.htm

Die Nummer 6 in der Liste ist der einzig provokante bzw. mehr als provokante Nazi-Vergleich, meiner Meinung nach
Der Rest ist einen eigenen Artikel nicht wert:

Der CDU-Politiker Martin Hohmann hielt 2003 eine Rede in Hessen zum Tag der Deutschen Einheit: Er sagte, vor allem jüdisch-stämmige Bolschewisten seien für die Verbrechen während der kommunistischen Revolution in Russland verantwortlich. Daher könne man in diesem Zusammenhang mit einiger Berechtigung von den Juden als Tätervolk sprechen. Nach heftigen Auseinandersetzungen wurde Hohmann aus der CDU-Bundestagsfraktion ausgeschlossen.

Neue empörende Nazienthüllung: Miroslav Klose ist SS-Mitglied

Sturmführer Miro

Dafür gilt doch wohl eindeutig: „DON’T MENTION THE WAR!“

Now have some Eva Prawn Cocktails, and invade a little of Poland… :smiley:

Fawlty Towers „The Germans“ hat aber recht. Die Medien verhalten sich so wie Basil und springen sofort auf ein Problem auf wo noch überhaupt keins ist.

Der Postillon hat gestern mal eine kleine Straßenumfrage zum Thema gemacht. :smiley:

(via Bildblog)

Das muß natürlich im Einzelfall entschieden werden, aber die Richtlinien habe ich schon genannt. Im Übrigen: Allein die Tatsache, dass es zwischen legitim und illegitim im Bereich von Nazi-Zitaten keine klare Grenze gibt, ist kein überzeugendes Argument dafür, dass sämtliche Nazi-Zitate problematisch wären.

Wenns so einfach wär dann renn doch einfach mal durch die Straßen und ruf n paar Mal: „Heil Merkel“
Erstens glaub ich nicht, dass du das machst und zweitens wird wohl auch hier niemand mehr im Forum so etwas gutheißen.

Wenn was so einfach wäre? Und wieso sollte ich dann "Heil Merkel"sagen? Willst Du sagen, dass jemand, der den Geißler-Satz weitgehend unproblematisch findet dann „logischerweise“ auch kein Problem mit dem „Heil Merkel“- Ausspruch haben sollte? Falls ja, wie kommst Du zu so einer seltsamen Aussage? Das eine folgt doch nicht aus dem anderen. :smt017

Der Satz mit „Heil Merkel“ (den ich eh nie sagen würde, weil ich die Merkel nicht besonders mag) erweckt den Eindruck, dass man gezielt Nazi-Sprache verwendet, weil man ähnlich tickt. Man hat es hier ja nicht mit einem festen und bekannten Zitat zu tun, sondern mit einer speziellen Nazi-Floskel. Das bedeutet: Die Frage des „Wollt ihr den totalen Krieg“ könnte an sich von vielen Leuten stammen. Ein „Heil X“ hingegen wird seit Langem speziell mit der Gedankenwelt und Ausdrucksweise der Nazis in Zusammenhang gebracht; es ist nicht nur ein Ziatat, das zufällig von einem Nazi stammt, sondern typischer und spezifischer „Nazi-Sprech“. Somit ist eine Analogie der beiden Fälle nicht gegeben.

Oder mal mal überhall Hakenkreuze hin. Natürlich linksherum weil das war ja auch nur ein Glückssymbol vor der Nazizeit also muss man da auch keine Hemmungen haben…

Auch hier ist doch der Verdacht der Sympathie mit den Nazis viel naheliegender; das kann man doch gar nicht vergleichen. Denn wenn jemand so ein Symbol gebraucht ist es naheliegend, dass er an ein ganz spezifisches Nazi-Symbol erinnern möchte. Es gilt dasselbe wie im obigen Fall: Es ist zu unterscheiden, ob etwas von einem Nazi gesagt wurde oder spezifisch nationalsozialistisch ist bzw. sich an ein Nazi-Symbol anlehnt.

Du siehst, so einfach ist es nicht, dass wir ALLES sagen können was mit dieser Zeit zu tun hat

Hab ich auch NIEMALS behauptet; vielmehr habe ich differenziert.

und ich finde „Wollt ihr den totalen Krieg?“ gehört dazu.

Das kannst Du natürlich so sehen, bisher hast Du das aber nicht begründet. Denn natürlich kannst Du einige Sprüche oder Handlungsweisen nennen, die unumstritten problematisch sind; daraus folgt aber natürlich nicht, dass nun auch das Geißler-Zitat problematisch wäre.

Tja, das dumme ist halt das man nicht unbedingt objektiv begründen kann warum ein dieses oder jenes Zitat (o.ä.) sauer aufstösst bzw auch nicht.

So finde ich ein “Heil BLA” ist so universal und kurz das es Unsinn wäre es aus dem allgemeinen Sprachgebaruch zu streichen.

“Wollt ihr den totalen Krieg” ist ein längere Satz, der rutscht einem nicht zufällig oder mehrfach täglich über die Lippen.

Ich bleibe wohlgemerkt dabei das mich Geißlers Aussage nicht im geringsten stört.

@Enio: In Teilen Österreichs würdest du dir die Augen reiben. Weil man sich dort teilweise immer noch mit “Heil” grüßt. Es ist eben von Ort zu Ort unterschiedlich was man verwenden kann und was nicht und wie gesagt für mich ist der Ausspruch von Geißler so sehr mit Gobbels verknüpft wie das Hakenkreuz mit den Nazis.

Schlimm, wenn Journalisten nichts mehr zu berichten haben. Man siehts ja auch schon an dem Verfall von der SZ Online wo man neuerdings auch doofes Zeug über noch dümmer Promis lesen muss.

Die vermeintliche Elite von schreibern sollte schon wissen wann man die Feder ruhen lassen sollte und wann nicht… Aber die Federn der Schreiber sind ja im Dauereinsatz um mit irgendwas ihre Sendezeit zu füllen.

für mich ist der Ausspruch von Geißler so sehr mit Gobbels verknüpft wie das Hakenkreuz mit den Nazis.

Nicht nur für dich. Aber es geht ja nicht primär darum, was womit verknüpft ist, sondern mit welcher Intention es gesagt wird. Sich darüber empören, wenn jemandem etwas „heraus gerutscht“ ist finde ich schwachsinnig - insbesondere bei einem derart bekannten Satz wie „Wollt ihr den totalen Krieg?“

Es ist halt ein Unterschied, ob jemand ein Nazi-Zitat in Form einer Analogie gebraucht, wie es Geißler getan hat, oder ob er einfach „Heil Hitler“ brüllt. Genauso wie es ein Unterschied ist, ob ein Hakenkreuz in einem Film / einer Dokumentation gezeigt wird, oder ob es von jemandem an eine Mauer gekritzelt wird, mit dem Spruch „Ausländer raus“ darunter.

Geißler hat mit seinem Zitat weder jemanden beleidigt (höchstens gespielte Empörung provoziert) noch hat es ihn in irgend einer weise als Nazi geoutet. Man kann seine Wortwahl blöd finden, aber diese mediale Empörung ist einfach lächerlich.

Genau das sollte man auch berücksichtigen. Den Kontext. Was hier problematisch erscheint, ist es vielleicht woanders nicht und umgekehrt.

und wie gesagt für mich ist der Ausspruch von Geißler so sehr mit Gobbels verknüpft wie das Hakenkreuz mit den Nazis.

Nun haben die Nazis das Goebbels-Zitat aber nicht zu ihrer offiziellen Parole gemacht, so wie sie jedoch sehrwohl das Hakenkreuz zu ihrem offiziellen Emblem gemacht haben.

Wenn daher jemand mit Hakenkreuz auftritt,´dann legt das zumindest hierzulande den begründeten Verdacht nahe, dass jemand Sympathie für die Nazis ausdrücken will. Wer wird aber im Fall von Heiner Geißler dasselbe hinsichtllich des Goebbels-Zitates behaupten wollen?

Doch sicher keiner. Was ist also schlimm daran?