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Ergebnis 161 bis 169 von 169
  1. #161

    AW: Presseartikel und Literatur

    Nachtrag: Um das Zitat
    Dennoch ist Satire mehr als eine abhängige Variable des Journalismus. Sie kann ihn ergänzen, ...
    noch etwas zu unterfüttern, möchte ich auf die eingeblendeten Banderolen der "Anstalt" hinweisen: Es empfiehlt sich tatsächlich, Ihnen zu folgen: Auf https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt finden sich unter Die Anstalt checkt Fakten sehr schön zusammengestellte Hintergrundinformationen und Linksammlungen pro Sendung, so ist z.B. das Dossier zur Sendung vom 6.12.2016 (bei der mir insbesondere die Schlussansprache von Mely Kiyak ab etwa Min. 57:30 aus dem Herzen gesprochen hat) als PDF downloadbar und immerhin 18 Seiten lang!

    Dafür zahl ich gern
     
    ich darf hier doch auch mal "political incorrect" sein ...

  2. #162

    AW: Presseartikel und Literatur

    Um an das vorige Posting anzudocken: auch die Literaturliste zur "Anstalt"-Sendung vom 7.März über den VW-Diesel-Skandal ist wieder sehr empfehlenswert und umfangreich (22 Seiten!)


    Sorry für die lange Abwesenheit, aber das Ende der imdb-Foren steckt mir noch in den Knochen.

    https://www.heise.de/newsticker/meld...h-3630957.html

    Eine von vielen Bestätigungen des Trends, dass das Netz in Blasen zerfällt, die sich immer weiter voneinander entfernen. Und somit gibt es immer weniger Plätze, auf denen man international massenwirksam seine verschiedenen Wahrheiten miteinander abgleichen kann. Die Kosten der Moderation steigen und werden geschäftsrelevant.


    Aber zunächst zu etwas anderem Traurigen: kein Aprilscherz - jetzt haben doch die Landesmedienanstalten tatsächlich youtube als neues Betätigungsfeld entdeckt!

    Sie fordern Lizenzen von Live-Kanälen mit mehr als 500 Zuschauern:

    https://www.heise.de/tp/features/You...t-3672478.html

    Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) hat den Twitch-Gamerkanal PietSmietTV dazu aufgefordert, bis zum 30. April bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) eine 1.000 bis 10.000 Euro teure Rundfunklizenz zu beantragen.
    oder gehen gegen Schleichwerbung vor:

    https://www.heise.de/newsticker/meld...r-3670185.html

    Die Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Hostein (MA HSH) hat gegen den Hamburger YouTuber „Flying Uwe“ ein medienrechtliches Verfahren eingeleitet. ... Laut Medienanstalt präsentierte er in seinen Videos Eigenprodukte, kennzeichnete diese jedoch nicht eindeutig als Werbung.
    Hintergründe liefert der F.A.Z.-Artikel
    Erst die Gamer, dann das ganze Internet (28.3.2017) von Michael Hanfeld
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleto...-14945278.html

    ... Landesmedienanstalten zuständig, die als Medienaufsicht ziemlich in Vergessenheit geraten sind, jetzt aber die Chance sehen, groß rauszukommen. Ihr habt ein Problem mit dem Internet, mit Hassrede und Fake News?, rufen sie der Politik zu, und: Wir haben die Lösung, wir sind die Lösung, verteilen Lizenzen und räumen auf.
    Sogar dem einen oder anderen Politiker wird es hier unheimlich, so spürt laut F.A.Z. an anderer Stelle (nur im Print) bsp.weise Peter Tauber (CDU) dass zur Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen dringender Handlungsbedarf besteht, aber leider man vor der Wahl im September keine Anpassungen des Medienrechts an die Anforderungen des digitalen Zeitalters erwarten könne. Journalist Michael Hanfeld wird am Ende dann ganz deutlich:
    Der Rundfunkbegriff bedarf dringend einer Revision. ... Die Lander lassen die Medienaufsicht machen. Gegen deren Schritte wird sich Widerstand im Netz formieren müssen.
    Fehlt eigentlich nur noch, dass die LMAs erfolgreichen Youtubern "Drittsenderlizenzen" aufbrummen ...

    Doch woher kommt dieser plötzliche Überarbeitungseifer der sonst so tief schlafenden Behörden? Möglicherweise ist es eine gewisse Arbeitsgruppe der Länder, die Arbeitsweise und Finanzausstattung der Landesmedienanstalten prüft:

    „Wir wollen uns einen Überblick verschaffen“ (20.2.2017) medienpolitik im Gespräch mit Dr. Olaf Joachim,
    http://www.medienpolitik.net/2017/02...k-verschaffen/
    medienpolitik.net: Wo sehen Sie Synergien und Sparmöglichkeiten in der Arbeit der Landesmedienanstalten?

    Dr. Olaf Joachim: Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen, ob und, wenn ja, an welcher Stelle Sparpotentiale gegeben sind. Mit der Länderarbeitsgruppe wird ein erster Schritt gemacht, einmal in den Blick zu nehmen, welche Aufgaben an welchen Stellen wahrgenommen werden und ob eine Vergleichbarkeit unter den Medienanstalten besteht. Dabei wird sich zeigen, ob es z.B. gemeinsame Tätigkeiten mit überregionalen Bezug gibt, die gebündelt effektiver wahrgenommen werden können.
    Kein Wunder, dass da bei lange schlafenden Behörden plötzlich Übereifer ausbricht

    Oder wollen sie gar durch ihre Aktivitäten gar die Politik dazu zwingen, endlich die Medienpolitik zu reformieren?

    So kann es jedenfalls nicht bleiben:
    (laut FAZ)
    Tobias Schmid formuliert aber schon einmal eine grobe Faustregel: „Was aussieht wie Rundfunk, und sich bewegt wie Rundfunk, ist Rundfunk.“
    Geändert von Nobbse (02.04.2017 um 21:20 Uhr)

  3. #163

    AW: Presseartikel und Literatur

    Nachtrag: wegen der Landesmedienanstalten lese man auch gern nochmal zur "Erheiterung" alles durch, was bei Stefan Niggemeier unter diesem Stichwort in der Vergangenheit so abgelegt war: http://www.stefan-niggemeier.de/blog...dienanstalten/

    z.B.Neues von den Schlaf- und Skandalbehörden
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog...ndalbehoerden/
    Warnung an mich selbst: „Wenn du einen Artikel schreibst, der zum Ergebnis kommt, dass die Medienaufsicht in Deutschland womöglich funktioniert, hast du vermutlich nur nicht gründlich genug recherchiert.“


    aber nun zu etwas anderem: Wie viele private Initiativen braucht es eigentlich noch, bis dem Rundfunk klar wird, dass er nicht mehr um einen Publikumsrat herum kommt? Neben Maren Müllers Dauerprojekt "Ständige Publikumskonferenz" (zur Erinnerung: https://www.publikumskonferenz.de/forum/ ) sprießen immer wieder neue Ansätze, so z.B. "Rundfunk mitbestimmen" , was ich über dieses Interview bei "Netzpolitik" gefunden habe:

    Neues aus dem Fernsehrat (6) - Ein Gespräch über "Rundfunk mitbestimmen"
    (Interview Leonhard Dobusch mit Rundfunk-Mitbestimmen.de )
    https://netzpolitik.org/2017/neues-a...tbestimmen-de/

    Die Rundfunkanstalten selbst haben großes Interesse an den Daten, aber sie sind sehr vorsichtig sobald es um das Thema öffentliche Meinung geht. Allerdings ist den Rundfunkanstalten ihre Legitimationskrise durchaus bewusst, vor allem weil immer weniger junge Leute den Rundfunk nutzen. Rundfunk Mitbestimmen könnte genau für diese Legitimationskrise eine konstruktive Lösung sein.
    Und hier geht es zur Webseite dieser Initiative, deren Hauptidee zunächst smart erscheint: man verteilt seine Haushaltsabgabe auf die Sendungen, die einem zusagen, man sehe:

    Rundfunk Mitbestimmen
    https://rundfunk-mitbestimmen.de/

    Doch so ganz bin ich noch nicht glücklich damit, wie einem vorgeschlagen wird, was man zu bewerten hat. Ich würde mir da eine Art Programmzeitschrift wünschen (am besten über den ganzen Monat) auf der man seinen virtuellen Geldhaufen verteilt. Und wäre es nicht auch bedenkenswert, Sendungen von privaten Anbietern zur Auswahl zu stellen? So nach dem Motto: "Das hätte ich mir von den öff.-rechtlichen gewünscht!" . Aber meines Erachtens können Ansätze nach einem "So hätte ich das Geld verteilt" - Prinzip ohnehin ein gut kuratiertes Programm nicht ersetzen. Zudem kann man nur das bewerten, was es gibt und keine fiktiven Sendungen/Themen nennen, die man sich wünschen würde (oder habe ich das nur nicht gefunden?).

    Nur mal so als Beispiel für ein Thema, das ich seit langem in einer Talkshow gerne behandelt gesehen hätte:

    Gesetzeskontrolleur: Erst die Flüchtlingswelle hat E-Government etwas vorangebracht
    https://www.heise.de/newsticker/meld...t-3665991.html

    ... zunehmende Migration und die damit verknüpften Herausforderungen haben dem früheren Bahnchef zufolge gezeigt, welche beschränkten IT-Möglichkeiten es bei den Ländern und auch bei der Polizei bis vor Kurzem noch gegeben habe: "Da war nichts miteinander kompatibel." Seitdem hätten die Verantwortlichen zumindest "einen Zahn zugelegt" und endlich erkannt, wie weit Deutschland beim E-Government zurückgefallen sei, nämlich "im EU-Ranking auf Platz 18 hinter Italien". Ihm sei unerklärlich, wie ein derart gravierendes Struktur- und Standortproblem so lange unter den Teppich habe gekehrt werden können.
    Warum man solche ein gravierendes Problem unter den Teppich kehrt und nicht zum Thema macht? Ganz einfach: weil es allen Parteien unangenehm ist, hier kein Konzept vorweisen zu können - insofern sind sich da (fast) alle in den Rundfunkräten einig ...


    Nicht dass die öffentlich-rechtlichen Sender nicht könnten, wenn sie wollen, da gibt es schon noch Nischen. So ist ein ähnliches Thema, das trotz großer Relevanz lange Zeit so gut wie nicht behandelt wurde, die "elektronische Gesundheitskarte". Für diese gibt es immerhin seit ein paar Wochen einen wirklich guten "SWR2-Wissen"-Hörbeitrag, dessen Transskript sogar als PDF heruntergeladen werden kann. Wegen der Link-Individualisierung auf der Webseite von SWR2 kann ich leider keinen Direktlink angeben, aber empfehle den Hörbeitrag auf den Seiten des SWR unter diesem Titel zu suchen

    "Der Patient als Datenpaket - Kommt die elektronische Gesundheitsakte?"
    von Marcus Schwandner vom 21.3.2017 unter SWR2 Wissen

    Ein Beispiel von gutem Journalismus, der Komplexität nicht unterschlägt und die Personen, die Tacheles reden, zu Wort kommen lässt, so muss das sein!
    Wir sind da in Deutschland sehr weit hinten dran, was die Verbreitung solcher Lösungen angeht, weil da zwei Dinge zusammen kommen. Das Eine ist unsere Selbstverwaltung, die das nicht so einfach macht, weil da Kassen und Ärzte unterschiedliche Interessen haben, und das Andere ist, dass auch das Gesundheitsministerium bei uns keine führende Rolle übernimmt, was zu strukturieren und nach vorne zu bringen
    Auch auf die entstandenen Insellösungen wird hingewiesen und die Verantwortlichkeiten klar benannt:
    Diese verschiedenen ‚Inseln‘ im Nachhinein zu verbinden, kann schwierig werden. Das Bundesgesundheitsministerium hat es verpasst, rechtzeitig auf einheitliche Standards hinzuarbeiten.
    Nebenbei bemerkt, ein Bekannter (ein ehemaliger IT-Professor) hat mir erzählt, dass er sich das Datenmodell der elektronischen Patientenakte in Heidelberg (eine dieser Insellösungen) mal angeguckt hat - und er war nicht gerade glücklich damit, er meinte gar, er hätte dieses Datenmodell Informatik-Erstsemestern um die Ohren geschmissen... aber jetzt hör ich wirklich auf, um nicht vom 100.ten ins 1000.te zu kommen.


    Also, alles in allem: gut gemacht, lieber SWR ... aber angesichts der Tatsache, wie lange die Politik schon daran rummurkst - hätte man das Thema nicht schon vor 10 Jahren adressieren können? Und wäre es nicht Zeit an einer TV-Talkshow, in der die beteiligten Lobbyisten sich gegenseitig zerlegen?
    Geändert von Nobbse (19.04.2017 um 20:47 Uhr)

  4. #164

    AW: Presseartikel und Literatur

    Ein Blick zurück:

    Die Dauerberichterstattung der privaten Sender in den USA rund um die Uhr hatte Donald Trump zu solch einer Popularität verholfen, dass es auf seinen abgesonderten inkonsistenten Unsinn (in dem vereinzelt auch einige unangenehme Wahrheiten herumschwammen) kaum noch ankam. Diese Erkenntnis drang mit etwas Zeitverzögerung von den USA in den deutschen Sprachraum, hier ein paar Beispiele:

    Trump hat von einer veränderten Medienwelt profitiert
    http://www.persoenlich.com/medien/tr...elt-profitiert

    Zum einen wird der klassische Journalismus schwächer, die Durchschlagskraft seiner Enthüllungen nimmt ab. Breite Kreise begegnen den etablierten Medien mit Misstrauen und Skepsis und ziehen sich in ihre Selbstbestätigungsmilieus zurück ... Zum anderen gibt es eine verstörende Komplizenschaft zwischen dem Fernsehen und Populisten: Man feiert den Pöbler durch Dauersendungen, belohnt seine Aggression mit Aufmerksamkeit, schenkt ihm dadurch Werbezeit, um seine Ansichten zu propagieren. (Pörksen)

    Trumps Inszenierung: „Bedenkliche Nähe zu totalitären Regimes“
    Interview von Thomas Trescher mit Medienwissenschaftler Bernhard Debatin, (Kurier vom 27.02.2017)
    https://kurier.at/politik/ausland/tr...es/248.173.233
    ... Ihm ist Inkonsistenz völlig egal, er ist an der Unterscheidung zwischen Lüge und Wahrheit nicht interessiert. Das kratzt ihn und seine Unterstützer nicht. Da muss man als Journalist sehr vorsichtig sein, weil man davon ausgehen muss, dass jede Äußerung strategischer Natur ist. Wenn sie falsch ist, zuckt er mit den Schultern und sagt: Aber ihr berichtet nicht über all die anderen positiven Dinge, die wir machen. ... Es wird ja auch ganz offen diskutiert, dass uns diese Sender Trump gebracht haben. Weil er dauernd provoziert hat, hat er kostenlos Berichterstattung bekommen – unter anderen Umständen wäre er als Kandidat nie in Frage gekommen, das ist ja absurd. Die Republikaner konnten das ja selbst nicht glauben. Durch diese 24-Stunden-News wurde Trump mitproduziert.

    So langsam dämmert es auch einzelnen Personen in den öffentlich-rechtlichen Medien, dass sie hier in der Verantwortung stehen. Jedenfalls bei dem Teil der öffentlich-rechtlichen, den die Quote vermutlich nicht ganz so drückt, wie es bei den extern eingekauften Polittalkshows leider der Fall ist. Und so kam es doch tatsächlich in ARD-"Monitor" zu einer Kritik an dieser Mediensparte!

    http://www1.wdr.de/daserste/monitor/...ftler-100.html
    Interview mit Christian Demith, Politikwissenschaftler
    ... und da müssen Talkshows aufpassen, Talkshowmacher aufpassen, wie weit man der AfD ein Podium bietet ... und genauso sind Talkshows aufgebaut, in denen ein Feindbild aufgebaut wird, in denen eben micht konstruktiv Argumente diskutiert werden, sondern einfach Schlagworte gewechselt werden, in denen auch immer ein Tabubrecher eingeladen wird, diese Rolle übernimmt dann oft die Person der AfD, um die ganze Sache spannend zu machen, aufzumischen, um einen Streit zu inszenieren, die Leute lassen sich nicht gegenseitig ausreden, nervig für den Zuschauer
    http://www1.wdr.de/daserste/monitor/...ftler-100.html
    Interview mit Kai Hafez, Medienwissenschaftler vom 19.1.2017
    wenn man die Logik von Talkshows verstehen will muss man zweierlei verstehen ... da ist auf der einen Seite ein Hang zu krisenorientierten Themen, da ist auf der anderen Seite ein bestimmtes Provokationspotential in der Gesellschaft, was genutzt wird symbolisch ...

    Als man gar beim Zusammenzählen der Talkthemen feststellte, dass es bei insgesamt 141 Polit-Talkshows von ARD/ZDF im Jahr 2016 in 54% davon um den Themenkomplex Flüchtlinge (40 Sendungen), Islam/Gewalt/Terrorismus (15 Sendungen) und Populismus (21 Sendungen) ging. Andere wichtige Themen kamen dabei unter die Räder, gar keine Talkshows gab es beispielsweise zu Energiewende, Bildung und den Abgasskandal!

    Talkshows: Bühne frei für Populisten
    Monitor vom 19.01.2017 (ARD)
    http://www1.wdr.de/daserste/monitor/...isten-100.html

    Sprecher: "Was sagen die Macher und Macherinnen der Talkshows? Können sie die Kritik nachvollziehen?
    Juliane von Schwerin ist die verantwortliche NDR-Redakteurin bei Anne Will:"

    Juliane von Schwerin: "ja, das kann ich nachvollziehen, das geht mir auch so, wennich in das Talkportal gucke und die Titel der Woche aller Talksendungen sehe, bin ich auch manchmal überrascht. Wir versuchen das nüchtern zu halten, wir versuchen, es möglichst unalarmistisch zu machen, trotzdem muss man natürlich eine gewisse Spannung kreieren, damit die Menschen auch Lust haben, diese Sendung zu sehen"
    ...
    Juliane von Schwerin: "Rückblickend ist, glaube ich, zu viel über Populismus geredet worden und vielleicht ist auch von zuviel Populisten Agenda diktiert worden, nicht unbedingt in unserer Sendung, aber ich habe das zu oft gesehn in Talks dieses Jahr und würde mir wünschen, dass im nächsten Jahr zumindest auch bei uns wieder Sachthemen im Vordergrund stehen, dass wir uns mit den Problemen der Menschen, die sie im Alltag haben, wieder auseinandersetzen und die kontrovers diskutieren und wenn es passt, auch mit der Teilnahme von Vertretern der AfD."
    Moment, wieso WÜNSCHT sie sich das nur?
    Sie IST doch an einer zentralen Schaltstelle!
    Wieso SORGT sie dann nicht dafür?

    Witzigerweise kam es zwei Monate danach zu dieser Sendung

    Anne Will vom 19.3.2017 (ARD)
    Klare Kante statt leiser Töne - Bekämpft man so die Populisten?
    http://daserste.ndr.de/annewill/vide...ewill5130.html

    Die Partei des niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte hat bei der Parlamentswahl deutlich mehr Stimmen bekommen als die seines Herausforderers Geert Wilders. Im Wahlkampf hatte Rutte klare Kante gegenüber der Türkei und ausländischen Mitbürgern gezeigt. Jetzt werden auch in Deutschland Rufe nach einer härteren Gangart gegenüber Erdogan und einem entschlosseneren Vorgehen gegen Populisten laut. Ist das der richtige Weg, um nationalistische Politiker in Europa zurückzudrängen?

    Aber wem war der monotone Themenstau in den Talkshows aufgefallen?
    Es war ein SPD-Politiker namens Marco Bülow:

    "Krasses Missverhältnis" bei der Themensetzung der Polit-Talkshows (Telepolis)
    https://www.heise.de/tp/features/Kra...s-3664209.html

    ... Der Politiker aus Dortmund spricht gar von einem "krassen Missverhältnis" bei den Themen, die in den Talkshows der großen Fernsehsender aufgegriffen werden. ... In jeder vierten Sendung, so führt Bülow aus, sei es speziell um das Thema Flüchtlinge gegangen. In jeder zweiten Sendung waren es die Themenkomplexe "Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus", die im Mittelpunkt der Sendung gestanden haben. "In nur sechs von 204 Sendungen", so Bülow, "wurde über Armut und Ungleichheit diskutiert. Wichtigen Themen wie NSU, Rassismus und rechte Gewalt wurde zum Beispiel jeweils nur eine Sendung gewidmet. Klimawandel kam sogar gar nicht vor." Der SPD-Mann hält diesen Befund nicht nur für bedenklich, sondern er geht davon aus, dass durch diese problematische Themenauswahl auch "die öffentliche Debatte sehr einseitig" geprägt werde. "Die Themenauswahl", so Bülow, "spiegelt absolut nicht die tatsächlichen Probleme in unserer Gesellschaft wider und stellt damit ein Zerrbild der Wirklichkeit dar." ... Der Abgeordnete kündigte an, sowohl den Bundestag als auch die Verantwortlichen der entsprechenden Sender und Sendungen über seine Ergebnisse zu informieren. "Ich bin gespannt wie offen und konstruktiv diese Kritik behandelt wird und werde selbstverständlich darüber berichten", so Bülow.
    Was sich Bülow nicht traut, ist, den Gedanken zu formulieren, die einseitige Prägung könne gar beabsichtigt sein, aber man soll sich ja nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, wenn man von den Spin Doctors nicht das Bann-Label "Verschwörungstheoretiker" aufgepappt bekommen will.

    Hier geht es zu Marco Bülows Seite mit seiner Auswertung über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren

    Talkshows einseitig und verzerrend
    http://www.marco-buelow.de/neuigkeit...erzerrend.html

    und hier sind die Reaktionen, die er erhalten hat

    Debatte zu Talkshows eröffnet viel Resonanz
    http://www.marco-buelow.de/neuigkeit...-resonanz.html

    ... Mittlerweile habe ich auch die ersten Gespräche geführt. Es gab zum Beispiel ein erstes konstruktives Gespräch mit der Redaktion von „Hart aber fair“. Sandra Maischberger hat sich ebenfalls zu der Untersuchung geäußert. Sie wurde dazu von Meedia.de befragt, die zuvor ausführlich über meine Ergebnisse berichtet hatten. Ihre Aussage, dass diese Einseitigkeit aufgrund der damaligen Themenlage entstand, finde ich sehr ausweichend und schwach. Der NSU war damals auch Thema, wurde aber nicht in den Talkshows berücksichtigt. ... Auch jetzt zeichnet sich leider ab, dass die Themen Flüchtlinge etc. nun durch die Themen Putin, Erdogan und Trump ersetzt werden. Mit innenpolitischen Belangen setzt sich weiter kaum jemand auseinander. Es muss also weiter darüber diskutiert werden. Ich werde diese Untersuchung weiter fortsetzen und am Ball bleiben.
    da bin ich gespannt!


    Aber kehren wir nochmal zur Aufmerksamkeitsökonomie zurück.
    Was sollte man in all dem Elend tun?

    Was tun gegen Fake News?
    Aus Sicht der Medienwirkungsforschung sind Factchecking oder Richtigstellen keine geeigneten Gegenmittel.
    Ein Interview von Nikolai Promies mit Dr. Philipp Müller, Medienforscher an der Uni Mainz.
    http://www.meta-magazin.org/2017/02/...ng-wohl-nicht/

    Wer ein Weltbild vertritt, das eine Verschwörung der Eliten gegen das Volk vermutet – und das tun zurzeit nicht wenige Menschen – wird einer Falschmeldung, die diesem Weltbild entspricht, auch dann noch glauben, wenn daneben ein Factchecking-Hinweis steht, der sie als Falschmeldung abtut. ... Algorithmen ... sollten Nutzer im Idealfall mit einem pluralistischen Informationsrepertoire versorgen und nicht ausschließlich darauf zugeschnitten sein, den Nutzerpräferenzen zu entsprechen und damit das Weltbild, das ein Nutzer bereits mitbringt, zu bestätigen. Das ist allerdings kaum mit einer gewinnorientierten Logik vereinbar. Ökonomisch gibt es keinen Anreiz für die Betreiber, ihre Algorithmen so einzustellen, da sie befürchten müssen, dass Nutzer dadurch verprellt werden könnten. Soziale Netzwerkseiten müssten dazu also vermutlich gemeinwohlorientiert organisiert sein und nicht als gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen.
    Ha, höre ich da den Wunsch nach einem öffentlich-rechtliches Facebook?

    Man muss eingestehen, dass die gesellschaftlichen Eliten tatsächlich Fehler gemacht haben im Umgang mit diesen Entwicklungen und so eine wachsende ökonomische Ungleichheit auf der Welt ermöglicht haben. Nur wenn man diese Punkte offen anspricht, kann man Populisten und die aus ihrem Lager gestreuten Falschmeldungen ihrer Wirkungskraft berauben. Das ist die Aufgabe vor der derzeit sowohl Medien als auch Politik stehen. Das Argumentieren gegen Fake News ist nur ein Stellvertreter-Krieg, der womöglich sogar vom eigentlichen Problem ablenkt und gesellschaftliche Gräben aufreißt, anstatt sie zuzuschütten.
    Na endlich, endlich spricht es jemand aus!

    Mir mag es scheinen, dass die Medien in letzter Zeit dazugelernt haben und im Umgang mit der AfD nicht mehr ganz so hysterisch sind. Wird auch langsam Zeit, dass sich das normalisiert, nachdem diese Partei vor ein paar Jahren zuerst viel zu wenig Aufmerksamkeit bekam (was m.E. zu ihrer Radikalisierung beitrug) und dann viel zu viel mediale Aufmerksamkeit bekam (was die Radikalisierung weiter verstärkte).
    Geändert von Nobbse (29.04.2017 um 21:19 Uhr)

  5. #165

    AW: Presseartikel und Literatur

    Inzwischen habe ich mir Anja Rützels Buch Trash-TV aus dem Reclam-Verlag gekauft.

    Trash-TV. 100 Seiten.
    https://www.reclam.de/detail/978-3-1...TV__100_Seiten

    Es ist eine locker-flockig geschriebene Anekdotensammlung über das gleichnamige Phänomen. Was mir die Lektüre aber ziemlich vergällt, ist der kritiklose Umgang mit diesem Genre. Ich schließe mich da dem Fazit der TAZ-Kritik (gefunden über Perlentaucher) an:

    https://www.perlentaucher.de/buch/an.../trash-tv.html
    Am Ende ist es allerdings das "Es ist Mist, aber ich mag´s" -Motto, was überwiegt und den Rezensenten ratlos bis befremdet zurücklässt.
    Nun wird die Kritik am Format von Frau Rützel zwar nicht gänzlich verschwiegen, aber sie lenkt durch redundante Beispiel-Floskeln
    "Denk ich an Deutschland in der Nacht" ... "Armes Deutschland" ... "Was hat denn das mit Kultur zu tun" ... "Ich höre lieber Mahler"
    von substanzielleren Kritikpunkten ab und zieht sich bequem auf dem Standpunkt "Über Geschmack braucht man nicht zu diskutieren" zurück. Ein weiteres Alibi, sich nicht mit den gesellschaftlichen Folgen des Trashs befassen zu müssen, liefert ihr am Ende Jennifer L. Pozner. In deren Buch "Reality bites back. The troubling truth about guilty pleasure TV" wird die These vertreten, man könne an den repetitiven Tricks des Trash-TV auf einfache Weise "media literacy" erwerben.

    Aber schon auf Seite 18 erwähnt Rützel die Familie Leps, die wegen eines gefilmten Zornausbruchs auf Frauentausch von ihrer Nachbarschaft so gemobbt wurde, dass sie sogar aus ihrer Stadt ziehen musste. Auf die Medienkompetenz des Volkes geht Rützel da nicht mehr ein... Und das Wort "Menschenwürde" wird zwar sogar noch früher auf Seite 13 in einer rhetorischen Frage erwähnt: "Wenn Menschen rund um die Uhr von Kameras beobachtet werden - kann dann der verfassungsgemässe Schutz der Menschenwürde noch garantiert werden?" aber ein paar Sätze später lenkt Rützel über ein Zitat des Schweizer "Medienhefts" weg von der Ethik hin zur Dramaturgie, so dass die Ausgangsfrage "zum Glück" nicht mehr beanwortet werden muss. Da fällt mir dieses kürzlich erschienene Essay ein:

    Ware Leben Süddeutsche vom 14.4.2017
    von Rainer Erlinger
    http://www.sueddeutsche.de/medien/es...eben-1.3464101
    Reality-TV galt einmal als menschenverachtend. Lange her. Wo ist die Empörung geblieben?

    ... wenn aber die Menschen, die im Reality-TV gezeigt und "bloßgestellt" werden, weil das emotionale und soziale Nacktsein sowohl wegen der Gewöhnung der Zuschauer als auch wegen der inzwischen eingetretenen Üblichkeit der Offenlegung des Privaten in den sozialen Medien und auf Youtube nicht mehr herabwürdigend ist, wenn diese Menschen auch ausreichend Wissen um die Öffentlichkeitswirkung haben, dann hätte Reality-TV tatsächlich zumindest einen Teil seiner ethischen Problematik verloren. Oder man hat sich doch nur daran gewöhnt.
    "Man" mag sich daran gewöhnen, ich jedenfalls nicht. Das "Du brauchsts ja nicht zu gucken"-Argument zieht bei mir nicht, wenn die Gesellschaft offensichtlichen Schaden dabei davonträgt., weil der kalkulierte Tabubruch aus freien Stücken nie einen Halt finden wird.

    Nur mal so als Beispiel, was nächsten Montag, 22:15 Uhr auf RTL2 anläuft: Da haben wir z.B. auf ihr Potenzial als Wichsvorlagen reduzierte Teilnehmer in der Glasbox in "Naked Attraction" . Die Sendung wird uns als "spannende wissenschaftliche Fakten rund um das Thema Partnerwahl geben einen tiefen Einblick, was wirklich hinter sexueller Anziehung steckt" verkauft. Über Rützels Buch findet man noch andere Formate, die am Horizont drohen. So berichtet sie eher voller Vorfreude
    Mit dem Tod flirtet auch von "With Love from Above", in dem todgeweihte Menschen herzzerreißende letzte Nachrichten an ihre Lieben aufnehmen und Geschenke aussuchen dürfen, die den Hinterbliebenen nach ihrem Tod zugestellt werden
    Also ich würde ja "Tränenpornografie" dazu sagen, aber die Produktionsfirma findet ein weniger unappetitliches Label: Emotainment!

    Ein DWDL.de-Schmuckstück "With Love From Above" (Niederlande)
    https://www.dwdl.de/miptv2016/55396/...e_niederlande/
    Es sind sehr persönliche Einblicke, die manche Zuschauer womöglich als zu persönlich wahrnehmen dürften - so oder so ist es aber bewegend, wenn sich der kürzlich verstorbene Mensch noch einmal an seine Liebsten wendet und an schöne gemeinsame Momente erinnert. Ein sehr warmherziges Format, das - bei der entsprechend rücksichtsvollen Umsetzung - auf sehr einfühlsame Weise zeigt, dass die Erinnerung stärker ist als der Tod. ...

    Aber ich will nicht falsch verstanden sein. Dokumentationen, die das echte Leben zeigen, ohne ihre Protagonisten dabei vorzuführen, sondern dem Zuseher Gelegenheit geben, über Ursachen und Wirkungen nachzudenken, also z.B. das Genre "Direct Cinema", finde ich weiterhin sehr berechtigt. Ein aktuell anlaufendes Beispiel ist

    "Kommunion" von Anna Zamecka



    ... ob die Mutter in diesem Film deswegen fast nur am Telefon zu sehen ist, weil sie gerade uns in Deutschland dabei hilft, den Pflegenotstand zu bewältigen? ...


    .................................................. .................................................. .................................................. ...................


    und auch wenn dieses Posting wieder lang geraten ist, sei mir noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Posting vom 29.4.2017 gestattet.

    (zum monitor-Beitrag "Talkshows: Bühne frei für Populisten)

    Juliane von Schwerins seltsamer Nicht-Einfluß auf die Sachthemen der Talkshow, die sie redaktionell betreut, wird eventuell durch ein Bourdieu - Zitat aus "Über das Fernsehen" verständlicher, das ich bei den Nachdenkseiten gefunden habe:

    Über das Meinungsmanagement im Neoliberalismus oder der Kampf gegen den unsichtbaren Feind
    Brigitte Pick, 3.5.2017

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=38116
    Die Medien spielen ihre Rolle und gaukeln immer wieder vor, andere Standpunkte zu berücksichtigen. Die werden jedoch vorher strukturiert, wie Pierre Bourdieu in seinem Buch „Über das Fernsehen“ thematisiert hat. Deren Manipulation in Talkshows funktioniere über die nicht sichtbare Arbeit:

    Die Runde selbst ist das Ergebnis einer unsichtbar bleibenden Arbeit. Da ist zum Beispiel die ganze Arbeit der Einladung: Manche Leute lädt man gar nicht erst ein; andere lädt man ein, und sie lehnen ab. Schließlich steht die Runde und das Sichtbare verbirgt das Unsichtbare. Ein konstruiertes Sichtbares zeigt die sozialen Voraussetzungen seiner Konstruktion nicht.
    Geändert von Nobbse (05.05.2017 um 23:09 Uhr)

  6. #166

    AW: Presseartikel und Literatur

    Heute hat die 3-tägige

    re publica 2017

    unter dem Motto "Love Out Loud" in Berlin begonnen, hier der Zeitplan

    https://re-publica.com/de/17/schedule?day=2017-05-08
    https://re-publica.com/de/17/schedule?day=2017-05-09
    https://re-publica.com/de/17/schedule?day=2017-05-10

    Das Establishment (Daimler, Techniker Krankenkasse, Öffentl.Rechtlicher Rundfunk, EU, ... ) hat diese Plattform inzwischen auch für sich entdeckt. Das muss aber kein Nachteil sein, weil (zumindest theoretisch) damit auch der Rückkanal von der Zivilgesellschaft an die Entscheider offen ist. Und wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass der Innenminister dort jemals mit "Landesverrätern" diskutieren würde?

    Viele, viele interessante Talks, auch in unserem Themengebiet findet sich jede Menge Stoff, beispielhaft herausgreifen möchte ich diesen hier:

    Beitragskürzung oder erweiterter Auftrag.
    Wohin entwickelt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk?

    https://re-publica.com/17/session/be...ich-rechtliche
    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Veränderungs- und Rechtfertigungsdruck, in Deutschland und in ganz Europa. Der Druck kommt nicht nur durch neue Medientechnologien und veränderte Medienrezeptionsgewohnheiten der Nutzer, sondern auch aus Politik und den eigenen Reihen. Innerhalb der Rundfunkanstalten wird in Arbeitsgruppen über zukünftige Strukturen, Reformansätze, Angebote und die Vorstellungen der Beitragszahler diskutiert.
    persönliche Anmerkung Ist ja schön, wenn ihr innerhalb der Rundfunkanstalten ÜBER die Vorstellungen der Beitragszahler diskutiert, aber wer redet von Euch dann MIT den Beitragszahlern? Rundfunkräte und Fernsehräte, die die Beitragszahler eigentlich vertreten sollen, werden ihrer Aufgabe ja anscheinend immer noch nicht vollumfänglich gerecht ... Bei der Aufzählung, woher der Veränderungsdruck kommt, fehlt mir das berechtigte Verlangen der Beitragszahler nach größerer Themenvielfalt und -tiefe der INHALTE. (*) Dass diese dann natürlich über neue Medien abgerufen werden können sollen, sollte selbverständlich sein ... Wenn ich Sätze wie diese lese
    Können sich die Sender selbst reformieren? ... Sind ARD und ZDF bereit, Ressourcen für diese Reformen freizusetzen oder müssen die finanziellen Mittel erhöht werden?
    ahne ich die Erpressung, so nach dem Motto "den Rundfunk, den ihr Beitragszahler wollt, kriegt ihr erst von uns, wenn ihr mehr Knete rüberwachsen lässt und wenn Euer Spardruck zu hoch wird, sparen wir zuerst dort, wo es EUCH wehtut, nicht UNS ... "


    Die öff.-rechtlichen machen mit dem einen oder anderen Talk auch Eigenwerbung

    Fakes, Leaks und Desinformation
    - Verlässlicher Journalismus im Nachrichtensturm

    https://re-publica.com/17/session/fa...chrichtensturm

    nur schade, dass bei diesem Talk nur Teilnehmer des öff.rechtlichen TV dabei sind ...


    ............................

    (*) ein kleiner Exkurs darüber, welche INHALTE zu intensivieren wären, nur mal so als Beispiel:


    ARD und ZDF sind zwar Mitglieder in der EBU (European Broadcasting Union) ,

    https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%..._Rundfunkunion

    aber nicht an deren gemeinsam gesendeten Programm euronews beteiligt. Zum Grund sagt wiki darüber

    https://de.wikipedia.org/wiki/Euronews

    Euronews versucht, auch Deutschland für eine Beteiligung zu gewinnen. Dies scheiterte bisher vor allem an der komplizierten Rechtslage. In Deutschland befindet sich der Rundfunk in der Verantwortung der Bundesländer, so dass die Länderregierungen von einem Einstieg überzeugt werden müssen.
    Wenn man bedenkt, wie wenig kontinuierliche Europa-Berichterstattung in ARD und ZDF stattfindet (Das "Europamagazin" ist nur ein kleiner "Weltspiegel", liebe ARD, ein trans-europäischer Diskurs findet dort leider nicht statt), wäre es doch ein Gewinn, wenn dafür auch bei uns Platz wäre
    Daneben strahlen noch 25 Sender aus 17 Ländern nationale Sendefenster von Euronews aus, wodurch sich die Zahl der Zuschauer deutlich erhöht.
    Auch wenn es sich dabei um "EU-Propaganda" handelt, erweitert es den Blick doch ungemein, wenn man sich des Blicks der anderen Nationen auf Europa gewahr wird und nicht nur im deutschen Blick auf Europa verharrt.

    Aber mit dem europäischen Journalismus bleibt es generell erstmal im Argen. Wie wichtig wäre es doch, unsere gemeinsamen europäischen Werte im Diskurs zu erarbeiten? Aber ohne sie genau zu kennen, wollen wir sie anscheinend schon mal gegen Außen verteidigen:

    Lügenmärchen und Hassreden in der EU
    https://re-publica.com/17/session/lu...d-hassreden-eu

    Bislang geht jeder EU-Mitgliedstaat mit Fake News und Hassreden in den sozialen Medien unterschiedlich um. Doch in der Europäischen Union laufen seit August 2016 Anstrengungen, die Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung von Fake News und dem Umgang mit Hassreden zu unterstützen. Europaabgeordnete verlangen europäische Regelungen gegen die Verbreitung von Fake News im Internet. Wie betroffen sind die EU-Mitgliedstaaten eigentlich? Was wird auf nationaler und auf EU-Ebene gemacht? Welche Rolle spielen die Medien? Braucht die EU eine gemeinsame Strategie? Und wenn ja, wie könnte sie aussehen?
    Eine sehr schöne Berufsbezeichnung hat Rebecca Harms:
    Europaabgeordnete und Schattenberichterstatterin der Entschließung des Europäischen Parlaments zum Thema "Strategische Kommunikation der EU, um gegen sie gerichteter Propaganda von Dritten entgegenzuwirken"
    Falls jemand vor Ort sein sollte, mag er gern an Frau Harms diese Frage weiterleiten:

    Ich verstehe ja, dass mit "Dritten" Rußland gemeint ist, wird dann nach dem Brexit auch das Murdoch-Imperium damit gemeint sein? Oder sogar vorher schon?

  7. #167

    AW: Presseartikel und Literatur

    Um nochmal zu betonen, dass wir immer noch qualitative Nischen im Hörprogramm haben, möchte ich ein tolles SWR2 Radio-Feature mit unserem Thread-Thema Medienkritik erwähnen, das 2015 produziert wurde und vor zwei Wochen am 3. Mai 2017 abends gesendet wurde. Es ist sowohl als MP3 als auch als (Sonderlob!) PDF-Transscript verfügbar!

    Vertrauen ist gut ...
    Die Medien und ihre Kritiker


    Von Ulrich Teusch
    Sendung: 03.05.2017
    Redaktion: Wolfram Wessels
    Regie: Maria Ohmer
    Produktion: SWR 2015

    Beispielausschnitte

    Bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten laufen Waschkörbe von E-Mails, um mal in diesem schlechten Bild mich auszudrücken, auf von Leuten, die sich wirklich übel beschweren. Diesen Aufstand wegen Inhalt, den hab ich zu meinen [Lebzeiten, also] journalistischen Lebzeiten[,] noch nicht erlebt. (Walter van Rossum, Hörfunkjournalist, Medienkritiker)

    Wir sind jetzt da, wo die Rezipienten von Medien zum ersten Mal wirklich massiv kritisch nachfragen. Das sind die gar nicht gewöhnt. Und sie sind jetzt sehr, sehr, ich sage mal, angepisst, dass das nicht mehr so ist. (Lars Schall, Journalist, arbeitet für Alternativmedien.)

    Wir laufen in eine wahnsinnige Kluft hinein. Wir haben die veröffentlichte Meinung und die öffentliche Meinung, und das geht weit, immer weiter auseinander nach meinem Eindruck. (Johannes Grotzky)
    ...
    Soziale Netzwerke, Alternativmedien, Mainstream-Medien – was ist gegen diese große Vielfalt einzuwenden? Belebt Konkurrenz nicht das Geschäft? Ist es nicht schön, wenn tausend Blumen blühen? „Im Prinzip, ja“, könnte man antworten. Wir verfügen heute über historisch einzigartige Möglichkeiten, uns umfassend zu informieren, einen permanenten „Fakten-Check“ zu betreiben, dissidente Meinungen einzuholen. Nie zuvor gab es in der Medienlandschaft so viel „Außenpluralität“. Aber, sagt Uwe Krüger, längst nicht jeder ist auch in der Lage, dieses Angebot zu nutzen. Außenpluralität ist allzu oft „eine Vielfalt für Archivare“. (eingesprochen)

    Nützt mir nichts, wenn ich’n Familienvater bin mit nem Acht-Stunden-Job und vielleicht zwei Stunden am Tag maximal habe für Medienkonsum und dann nicht auf dissidente Infos stoße oder abweichende Meinungen und dann in so nem informationellen Klima, in so nem Umfeld lebe, wo’s klare Feindbilder gibt, dann kann man sich auch nicht dagegen wehren, ist meine Ansicht, so gebildet man auch ist. (Uwe Krüger)

    Besteht also die Gefahr einer Fragmentierung der Gesellschaft? „Informationsreiche“ hier, „Informationsarme“ dort? Oder einer Aufsplitterung in viele parzellierte Öffentlichkeiten, kleine Medienwelten, die nur noch Selbstgespräche führen? (eingesprochen)

    Das ist möglicherweise ein sehr zwiespältiger Prozess, auf den wir dort zusteuern. Anders formuliert: Es kann sein, dass die Soziologie ihr Beobachtungsfeld völlig verliert, weil wir uns in so viel einzelne nicht miteinander verbundene Gruppen aufteilen, dass der Begriff Gesellschaft möglicherweise gar keinen Sinn mehr macht. (Jörg Becker)
    Ich habe mir mal die Mühe einer Linkliste zu diesem gut recherchierten Feature gemacht

    Eine Auswahl im Feature genannter Alternativmedien

    Nachdenkseiten http://www.nachdenkseiten.de/
    Telepolis http://www.heise.de/tp/

    Eine Auswahl im Feature genannter "alternativer Journalisten"

    Chris Hedges https://en.wikipedia.org/wiki/Chris_Hedges
    John Pilger https://de.wikipedia.org/wiki/John_Pilger
    Lars Schall http://www.larsschall.com/
    Robert Parry https://consortiumnews.com/tag/robert-parry/
    Seymour Hersh https://de.wikipedia.org/wiki/Seymour_Hersh
    Udo Ulfkotte http://www.ulfkotte.de/

    Eine Auswahl weiterer im Feature genannter Personen, z.B. "klassische" Journalisten, Politikwissenschaftler, etc.

    Peter Scholl-Latour https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Scholl-Latour
    Gerd Ruge https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Ruge
    Johannes Grotzky https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Grotzky
    Jörg Becker https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B...ssenschaftler)
    ... dessen Webseite http://profjoergbecker.de/
    Udo Lielischkies https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Lielischkies
    Uwe Krüger https://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Kr%C3%BCger
    Walter van Rossum https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_van_Rossum


    um die Sendung noch zu finden
    (schnell, schnell, bevor sie weg ist)
    muss man hierhin gehen

    http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/feature/
    und von dort auf - SWR2 Feature Rückschau und Nachhören
    oder auf - SWR2 Feature Suche in SWR2 Feature klicken.


    Doof, liebe ARD, ist übrigens diese Seite

    Feature und Hintergrundstücke in der Übersicht
    http://programm.ard.de/Radio/Listen/Kalender/Feature

    Auf den ersten Blick scheint die Suche (Suche verfeinern) ja komfortabel zu sein, aber ich kann heute am 16. Mai schon nicht mehr den 3. Mai anwählen? (aus Rechtegründen?)

  8. #168

    AW: Presseartikel und Literatur

    Nützt mir nichts, wenn ich’n Familienvater bin mit nem Acht-Stunden-Job und vielleicht zwei Stunden am Tag maximal habe für Medienkonsum und dann nicht auf dissidente Infos stoße oder abweichende Meinungen und dann in so nem informationellen Klima, in so nem Umfeld lebe, wo’s klare Feindbilder gibt, dann kann man sich auch nicht dagegen wehren, ist meine Ansicht, so gebildet man auch ist.
    Wohl das Hauptproblem mit Informationen heute. Selbst ohne Kinder kann man sehr oft nicht annähernd die Zeit aufbringen um wirklich alle relevanten (muss man erstmal entscheiden wer / was relevant ist) Blickwinkel zu sichten, checken und so weiter.
    Wer ist jetzt der Blöde? Der Sender, der der mitmacht oder der der zuschaut? (Medienkuh)
    Ein Atom ist leichter zu spalten als ein Vorurteil. (A. E.)

  9. #169

    AW: Presseartikel und Literatur

    Danke fürs feedback, KingMö! (seh ich auch so)


    Die GEMA hat vor ein paar Tagen bekannt gegeben, dass hr2-kultur, SWR4 Baden-Württemberg und SWR4 Rheinland-Pfalz den

    Radiokulturpreis der GEMA

    erhalten. Die Begründung:

    https://www.gema.de/aktuelles/hr2_ku...reis_der_gema/
    hr2-kultur überzeugt mit einem engagierten, anspruchsvollen und vielfältigen Programm

    SWR4 Baden-Württemberg und SWR4 Rheinland-Pfalz punkten in der Förderung deutschsprachigen Repertoires
    mein Bauch grummelt so vor sich hin

    die kriegen also einen Preis dafür, dass sie das tun, was selbstverständlich sein sollte?
    Oder bekommen sie einen Preis dafür, dass sie die Musikindustrie am Laufen halten?
    Würden sie auch einen Preis bekommen, wenn sie mehr GEMA-freie Musik spielen würden?
    Und was machen sie, wenn sie in 12 Jahren alle Sender durchgepreist haben?
    Fangen sie dann wieder von vorne an?
    und wollen Phil Collins und Coldplay SWR1 einen Preis zur Sicherung ihrer Altersversorgung geben? )


    Arte war nicht so brav (ist ja auch kein Radio) kriegt leider keinen Preis und muss seine 25 Jahre alleine feiern

    25 Jahre Arte
    http://25jahre.arte.tv/index-de.html

    "Tracks" bekommt von mir den Pokal "zwickender Schwan mit lohendem Grinsen" dafür,
    dass sie wenigstens für eine Dreiviertelstunde eine Ahnung davon geben,
    was aus mtv hätte mal werden können, wenns um Qualität gegangen wäre ...
    http://www.arte.tv/de/videos/071432-004-A/tracks

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